Afghanistan-Bericht
Obama gibt sich vorsichtig optimistisch

Erstmals sehen die USA echte Erfolge im Afghanistan-Krieg. Doch vor allzu großem Optimismus warnt Barack Obama: Der Kampf ist lang und schwierig. Sein Versprechen: Bald kommen die ersten Soldaten nach Hause.
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HB WASHINGTON/BERLIN. US-Präsident Barack Obama hat ein vorsichtig optimistisches Bild der Lage in Afghanistan gezeichnet. Deshalb könne auch im Juli 2011 mit dem Abzug der amerikanischen Truppen vom Hindukusch begonnen werden, bekräftigte Obama am Donnerstag in Washington bei der Vorstellung seiner überarbeiteten Kriegsstrategie. Bis zum Sieg über die Taliban und die Al-Kaida sei der Weg aber noch schwierig, da militärische Erfolge in einigen Regionen noch nicht gefestigt und damit umkehrbar seien.

Obama steht unter dem Druck der Bevölkerung, Perspektiven für ein Ende des seit 2001 andauernden Kriegseinsatzes gegen die Taliban und Al-Kaida aufzuzeigen. Der Präsident sagte, die USA seien auf dem richtigen Kurs, um Mitte kommenden Jahres mit dem Abzug der ersten Kampfverbände beginnen zu können. Die Taliban und die Al-Kaida seien zurückgedrängt worden. Obama will den Kampfeinsatz 2014 beenden.

Als Schwachstelle im Kampf gegen die islamischen Extremisten machte Obama das Nachbarland Pakistan aus. Pakistan unternehme in seiner an Afghanistan grenzenden Nordwest-Region nicht genug gegen die Extremisten. Verteidigungsminister Robert Gates und Außenministerin Hillary Clinton forderten verstärkte Anstrengungen der Regierung in Islamabad, grenzüberschreitende Aktivitäten der Al-Kaida zu unterbinden.

Obamas Bericht enthielt keine wirklichen Neuigkeiten. Er wurde zum Ende des für die internationale Schutztruppe Isaf verlustreichsten Jahres veröffentlicht. Bislang wurden 2010 in Afghanistan fast 700 ausländische Soldaten, darunter etwa 450 Amerikaner, getötet. Obama hatte Ende vorigen Jahres eine Aufstockung des US-Kontingents um 30 000 auf 100 000 Soldaten angeordnet. Insgesamt stehen 150 000 ausländische Soldaten am Hindukusch, darunter 4600 Deutsche.

Obamas wichtigster Verbündeter, der afghanische Präsident Hamid Karsai, wird in dem Bericht nicht erwähnt. Das Verhältnis beider Staatschefs gilt als schwierig, gleichwohl telefonierten sie am Donnerstag miteinander. Kritiker werfen Karsai vor, nicht entschieden genug gegen die Korruption vorzugehen. Das vorsichtig optimistische Bild Obamas wird von den US-Geheimdiensten nicht geteilt. Auch Hilfsorganisationen sehen die Lage eher kritisch und erwarten nach eigenem Bekunden eine Verschlechterung.

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