
HB BERLIN/KANDAHAR. „Auch wenn es nicht jedem gefällt, so kann man angesichts dessen, was sich in Teilen Afghanistans abspielt, umgangssprachlich von Krieg reden“, so der CSU-Politiker.
Wie auch Generalinspekteur Volker Wieker wies zu Guttenberg Vorwürfe zurück, die Bundeswehr sei schlecht ausgerüstet. Ex-Generalinspekteur Harald Kujat hatte bemängelt, die Soldaten seien nicht mit den nötigen modernen Systemen ausgestattet, um Handlungen der Taliban besser erfassen und einschätzen zu können. Zu Guttenberg verurteilte den Hinterhalt der Taliban, bei dem am Karfreitag drei Bundeswehrsoldaten getötet und acht zum Teil schwer verletzt worden waren, als perfide Tat. Dass der Anschlag offenbar bewusst an einem der höchsten christlichen Feiertage verübt wurde, sei eine „Verhöhnung fremder Kulturen“.
Wenige Stunden nach dem Anschlag töteten Bundeswehrsoldaten in der Nähe des Gefechtsorts irrtümlich sechs afghanische Soldaten, die in ihren Fahrzeugen nicht auf die Aufforderung der Deutschen reagiert hatten anzuhalten. Dafür entschuldigten sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und zu Guttenberg.
Karsai brüskiert Verbündete
Die deutschen Toten, die einer Fallschirmjägereinheit aus dem niedersächsischen Seedorf angehörten, waren am Sonntag nach einer kurzen Trauerfeier im Feldlager Kundus an Bord der Maschine von Entwicklungsminister Dirk Niebel nach Deutschland gebracht worden. Schon am Samstag waren vier schwer verletzte Soldaten nach Deutschland ausgeflogen worden. Sie werden im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz behandelt.
Der Minister lehnte Forderungen nach einem sofortigen Rückzug der Bundeswehr ab. „Wir bleiben in Afghanistan“, sagte zu Guttenberg, der nach den Kämpfen seinen Osterurlaub abgebrochen hatte und aus Südafrika nach Deutschland zurückgekehrt war. Ziel bleibe die Schaffung von mehr Sicherheit in der Region. „Ein implodierendes, sich selbst überlassenes Afghanistan“ hätte Auswirkungen auf die benachbarte Atommacht Pakistan, auf den Iran und auf ganz Zentralasien. Zwar müsse es eine Abzugsperspektive geben, aber die Afghanistan-Strategie könne nicht darin bestehen, dass man „Hals über Kopf das Land verlässt“.
Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat erneut seine westlichen Verbündeten brüskiert. Auf einem traditionellen Treffen mit rund 1500 Stammesältesten drohte er mit Widerstand gegen die anstehende Großoffensive der internationalen Truppen in der Taliban-Hochburg Kandahar. Afghanistan werde erst zur Ruhe kommen, wenn die Bevölkerung überzeugt sei, dass die Regierung unabhängig sei – „und nicht eine Marionette“, sagte Karsai.