Afghanistan
Bundeswehr geht härter gegen Taliban vor

Als Antwort auf die wachsende Zahl von Anschlägen der Taliban schlägt die Bundeswehr im Norden Afghanistans eine immer härtere Gangart ein. Zusammen mit 900 afghanischen Soldaten versuchen rund 300 Bundeswehrsoldaten, die radikalen Islamisten im Raum Kundus zurückzudrängen.

BERLIN/DÜSSELDORF. „Es war jetzt einfach an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen“, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Mittwoch in Berlin. Die Offensive soll bis zum Wochenende dauern.

Der Hintergrund: Die unter dem Verantwortungsbereich der Bundeswehr stehende Provinz Kundus hat sich zu einer der gefährlichsten Regionen in Afghanistan entwickelt. Von Pakistan aus gesteuerte Taliban-Kämpfer verstärken ihre Angriffe auf die Bundeswehr, um einen der vermeintlich „schwachen“ Partner in der 41 Nationen umfassenden Internationalen Schutztruppe (Isaf) zu treffen.

Zudem wird der Norden des Landes strategisch immer wichtiger, seit sich Amerikaner und Isaf-Führung bemühen, gefährdete Nachschubrouten für die internationalen Truppen von Pakistan nach Zentralasien zu verlegen. Zudem wollen die Taliban die am 30. August geplanten Präsidentschaftswahlen in Afghanistan verhindern.

Zwar betont die politische und militärische Spitze der Bundeswehr, dass es sich nicht um eine „neue Qualität“ des Einsatzes handele. Aber der Generalinspekteur wies zugleich darauf hin, dass Isaf auf die veränderte Taktik der Taliban reagieren müsse. Diese gingen seit März zunehmend von vereinzelten Sprengfallen auf militärisch koordinierte Angriffe über. Erstmals hat die Bundeswehr jetzt bei den Kämpfen sowohl Mörser als auch den Schützenpanzer „Marder“ eingesetzt. Zudem hat sie alliierte Luftunterstützung angefordert.

Im kommenden Jahre soll die Bundeswehr in Afghanistan wegen der veränderten Sicherheitslage außerdem zusätzlich ausgerüstet werden. So ist der Einsatz der Aufklärungsdrohnen „KZO“ und später von „Heron 1“ geplant. Zudem soll der Einsatz eines Raketenabwehrsystems „Skyshield“ die Gefahr von Angriffen gerade im Raum Kundus auf den Flughafen und das deutsche Bundeswehr-Camp verringern.

Ausdrücklich wird in Berlin auf die große Rolle verwiesen, die die afghanische Armee (ANA) mittlerweile bei dem Einsatz gegen die Taliban spiele. Verteidigungsminister Franz Josef Jung lobte in diesem Zusammenhang die verstärkte Ausbildung afghanischer Soldaten. Ziel sei weiterhin, dass die ANA am Ende über 134 000 Soldaten verfügen sollte; ausgebildet seien bisher etwa 80 000. Die afghanische Polizei solle etwa gleich stark werden – hier hinkt die Zahl der ausgebildeten Männer aber weiter hinterher.

Das forcierte Vorgehen der Bundeswehr ist auch im Zusammenhang mit der veränderten Strategie der Vereinigten Staaten zu sehen. US-Präsident Barack Obama hat seine Truppen massiv aufstocken lassen. Im Süden und Osten des Landes hat die US–Armee zudem eine Offensive gegen Taliban-Kämpfer gestartet, die aus Pakistan einsickern.

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