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Afghanistan-Debatte: Westerwelle will 500 zusätzliche Soldaten entsenden

Nach Zeitungsberichten hat sich die schwarz-gelbe Regierung auf die Entsendung weiterer 500 Soldaten nach Afghanistan geeinigt. Damit kommt er Verteidigungsminister zu Guttenberg entgegen – Er hatte 1500 Mann Verstärkung gefordert.

HB BERLIN. Außenminister Guido Westerwelle hat bekräftigt, einer Aufstockung der deutschen Afghanistan-Truppen nicht im Weg zu stehen. „Ich habe nie gesagt, dass es keinerlei Truppenaufstockung geben darf“, erklärte der FDP-Vorsitzende am Sonntagabend im ARD- „Bericht aus Berlin“. Nach unbestätigten Informationen der „Rheinischen Post“ (Montag) sollen sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Westerwelle und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bereits verständigt haben, das Bundeswehr-Kontingent am Hindukusch um 500 auf dann maximal 5000 Soldaten aufzustocken.

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Das konkrete Angebot für die internationale Konferenz am Donnerstag in London wollen Merkel, Westerwelle, Guttenberg, Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) an diesem Montagabend vereinbaren.

In den vergangenen Wochen hatten Medien mehrfach unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, dass Westerwelle in internen Regierungsgesprächen Aufstockungsvorschlägen von Guttenberg heftig widersprochen habe. Bereits in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte Westerwelle nun aber, er sei grundsätzlich zur Entsendung zusätzlicher deutscher Soldaten bereit, wenn dies für den zivilen Aufbau und die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte notwendig sei.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa vom Freitag erwog Guttenberg die Ausweitung des Bundestagsmandats um möglichst 1500 auf 6000 Soldaten. Die von der „Rheinischen Post“ nun genannte Zahl von 500 zusätzlichen Soldaten, auf die sich die Regierung geeinigt haben soll, wurde von einem Regierungssprecher zunächst nicht bestätigt.

Neben Westerwelle hatten am Wochenende auch Merkel und de Maizière eine Aufstockung in Aussicht gestellt. Schwerpunkt des Einsatzes soll nach ihren Darstellungen in mehreren Interviews weit stärker als bisher die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte sein, damit die Verantwortung schrittweise auf die Kabuler Regierung übergehen kann.

Westerwelle erläuterte in der ARD: „Es geht dann auch vor allen Dingen um die Umschichtung innerhalb des vorhandenen Bundeswehrkontingentes. Das heißt, wie viele können mehr eingesetzt werden, für die Ausbildung, für das Training der Soldaten und der Polizisten in Afghanistan? Und ganz am Schluss kann es lediglich um die Frage gehen, ob aufgestockt wird.“

Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) hielt sich zum Thema Aufstockung zwar bedeckt. Er forderte SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier aber auf, „sich dafür stark (zu) machen, dass auch die SPD den neuen Ansatz für Afghanistan im Bundestag mitträgt“. In der „Passauer Neuen Presse“ (Montag) sagte er: „Auch bei den Grünen werben wir um Zustimmung.“

Am Wochenende hatte die Bundesregierung die Unterstützung eines Aussteigerprogramms für radikal-islamische Taliban angekündigt. Westerwelle sagte, man wolle Menschen, die aus finanzieller Not heraus kämpften, eine wirtschaftliche und soziale Perspektive für sich und ihre Familien bieten.

Auch der Kommandeur der Nato-Streitkräfte in Afghanistan setzt auf einen Friedensschluss mit den radikal-islamischen Taliban. Die geplante Truppenaufstockung könne die Aufständischen so weit schwächen, dass sie anschließend zu einer politischen Lösung bereit seien, sagte Nato-General Stanley McChrystal der „Financial Times“ (Montagausgabe). Dann sei auch eine Beteiligung der Taliban an einer künftigen Regierung denkbar.

„Als Soldat muss ich sagen: es wurde bereits genug gekämpft“, sagte McChrystal dem Blatt. „Ich bin überzeugt, dass am Ende eines jeden Konflikts eine politische Lösung steht.“ Mit der Ankunft der zusätzlichen 30 000 Soldaten werde es Fortschritte geben. „Es ist nicht meine Aufgabe, einen Olivenzweig auszustrecken. Aber es ist meine Aufgabe, für Bedingungen zu sorgen, unter denen die Leute in den richtigen Positionen Optionen für die Zukunft haben.“

Verteidigungsminister Guttenberg sagte, er wolle noch vor der Londoner Konferenz „eine konkrete Zahl für eine mögliche Aufstockung des deutschen Truppenanteils“ vorstellen. Doch stehe eine solche Aufstockung unter dem Vorbehalt der Ergebnisse des Treffens. Bundeskanzlerin Merkel erläutert die Regierungsposition am Mittwoch in einer Regierungserklärung. Dienstag und Mittwoch führt der afghanische Präsident Hamid Karsai Gespräche in Berlin.

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