Afghanistan
Deutsche Journalisten erschossen

In Afghanistan sind erstmals nach dem Sturz der Taliban vor knapp fünf Jahren zwei deutsche Journalisten getötet worden. Der Mann und die Frau hatten für die Deutsche Welle gearbeitet. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar.

HB KABUL. Die beiden Journalisten seien in der Nacht zum Samstag von Unbekannten erschossen worden, sagte ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums. Sie seien auf dem Weg von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Nachbarprovinz Bamian gewesen und hätten bei einem Dorf namens Abi Tootak gezeltet. Die afghanische Polizei untersuche den Mord.

Die radikal-islamischen Taliban wiesen jede Verantwortung für die Tat zurück. „Unsere Mudschaheddin greifen keine Journalisten an“, sagte Taliban-Sprecher Kari Jussuf Ahmadi der dpa. Ein Sprecher der internationalen Schutztruppe ISAF, Major Dominic White, sagte, die beiden Journalisten hätten bis vergangenen Mittwoch „Arbeit im Zusammenhang mit der ISAF“ geleistet und seien dann auf eigene Faust durchs Land gezogen.

Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, wollten die Reporter in Bamian nach ihrer ISAF-Arbeit an einer Dokumentation arbeiten. Die ISAF habe die beiden vor der Reise gewarnt, hieß es. Der Polizeichef Bamians, General Mohammed Dschalal Haschimi, sagte, der Mann und die Frau seien allein - ohne Fahrer und ohne einheimischen Führer - unterwegs gewesen. Der oder die Täter hätten mehrere Schüsse auf ihre Opfer abgefeuert. Einen Raubüberfall schloss er aus. Kameras, die weitere technische Ausrüstung und das Auto seien gefunden worden. Die Journalisten hätten zwölf Meter neben der Hauptstraße nach Bamian gezeltet. Sie hätten die Polizei in Baghlan weder über ihre Reise informiert gehabt noch um Schutz gebeten. Bamian gilt als verhältnismäßig ruhige, Baghlan hingegen wegen zahlreicher Vorfälle als relativ problematische Provinz.

In Kabul hieß es, die Journalisten hätten sich nicht beim afghanischen Außenministerium akkreditiert gehabt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin standen die Reporter zum Tatzeitpunkt nicht in der Obhut der deutschen Truppen im Land. „Es handelt sich nicht um ein Vorkommnis der Bundeswehr“, sagte ein Ministeriumssprecher am Samstag auf Anfrage. Zu einer vorherigen Zusammenarbeit mit der Bundeswehr konnte der Sprecher keine Angaben machen. Das Ministerium sei zunächst selbst auf die weiteren Ermittlungen angewiesen, sagte er.

Als zuvor letzter deutscher Journalist war im November 2001 in Afghanistan ein Reporter des Magazins „Stern“ bei Kampfhandlungen vor dem Sturz der Taliban getötet worden. Am Samstag war der fünfte Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan. Eine US-geführte Koalition hatte das radikal-islamische Taliban-Regime Ende 2001 gestürzt. Die Taliban hatten sich geweigert, den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Osama bin Laden, auszuliefern. Die Deutsche Welle ist der Auslandssender der Bundesrepublik mit Sitz in Bonn, der in zahlreichen Sprachen sendet. Im Wesentlichen wird die Deutsche Welle aus Steuermitteln finanziert.

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