Afghanistan
Deutsche müssen aufs Botschaftsgelände ziehen

Die Sicherheitslage in Afghanistan wird trotz aller aktuell gemeldeten Erfolge gegen die Taliban immer prekärer. Das bekommen jetzt die Deutschen zu spüren, die im Lande wohnen – Diplomaten und ihre Familien. Sie müssen aufs Gelände der Botschaft in Kabul ziehen. Eine Bewachung ihrer Wohnungen außerhalb reicht offenbar nicht mehr.

HB KABUL. Bei den jüngsten Kämpfen in Afghanistan sind nach Angaben der Regierung mehr als hundert Taliban getötet worden. Wie die Regierung in Kabul mitteilte, ging es bei den Kämpfen um die Rückeroberung des Bezirks Bakwa im Südwesten, den die fundemantalistischen Einheiten in ihre Gewalt gebracht hatten.

Wegen der gestiegenen Anschlaggefahr in Kabul müssen von diesem Sommer an alle deutschen Diplomaten aus ihren Wohnungen auf das Gelände der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt umziehen. Damit solle die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet werden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Das Auswärtige Amt ließ dafür neben dem bisherigen Botschaftsgebäude mit den Büros und der Residenz des Botschafters ein neues mehrstöckiges Gebäude in Containerbauweise errichten. Das fast fertiggestellte Gebäude ist gegen Anschläge von außen geschützt. Bislang leben zahlreiche deutsche Diplomaten in bewachten Häusern in der afghanischen Hauptstadt.

Unterdessen kamen bei einem Anschlag im Süden des Landes ein Politiker und sein Leibwächter ums Leben. Unbekannte erschossen am Freitagabend vor seinem Haus in der Stadt Kalat den Gouverneur des Mezan-Distrikts der Provinz Zabul sowie seinen Leibwächter, hieß es nach Polizeiangaben. In einem Telefongespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa bekannten sich die radikalislamischen Taliban zu dem Anschlag.

Afghanische Regierungstruppen haben unterdessen nach Angaben der örtlichen Polizei mit Hilfe von Koalitionstruppen wieder die Kontrolle über die südostafghanischen Provinz Ghasni übernommen. Die radikalislamischen Rebellen hatten den Distrikt am Donnerstag erobert. Die Taliban haben in der Vergangenheit bereits häufiger Distrikte erobert, wurden durch die Übermacht der ausländischen und afghanischen Streitkräfte in der Regel aber bereits nach kurzer Zeit wieder vertrieben. Die 34 Provinzen in Afghanistan sind in knapp 400 Distrikte unterteilt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit 2006 kontinuierlich verschärft. Im August vergangenen Jahres waren in Kabul drei Personenschützer des deutschen Botschafters Hans-Ulrich Seidt bei einem Anschlag außerhalb der deutschen Vertretung getötet worden. An die ermordeten deutschen Beamten erinnert inzwischen eine Gedenktafel am Eingang des Botschaftsgebäudes. Erst am vergangenen Donnerstag war es in Kabul zu einem Anschlag auf einen US- Militärkonvoi mit mehreren Toten unter der Zivilbevölkerung gekommen.

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