Afghanistan
Deutsche Soldaten posieren mit Totenschädel

Bei einer morgendlichen Patrouillenfahrt sind Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan auf den Schädel eines Toten gestoßen. Jetzt ans Licht gekommene Fotos belegen, wie die Soldaten mit dem Schädel auf obszöne Weise posieren. Für die Totenschändung sollen die Soldaten nun hart büßen.

HB BERLIN/KABUL. Die Fotos wurden am Mittwoch von der „Bild“-Zeitung veröffentlicht. Das Blatt schreibt, die Aufnahmen stammten nach Aussage eines Bundeswehr-Angehörigen aus dem Jahr 2003. Die Aufnahmen seien frühmorgens bei einer Patrouillenfahrt unter dem Kommando eines Feldwebels entstanden, heißt es in dem Bericht. An dem Vorfall seien außerdem zwei Stabsunteroffiziere und zwei weitere Soldaten beteiligt gewesen - allesamt Mitglieder des deutschen Kontingents der Afghanistan-Schutztruppe Isaf.

Auf einem der Fotos wird ein Totenschädel auf dem Tarnscheinwerfer eines Kleinpanzers vom Typ „Wiesel“ präsentiert. Das nächste Foto zeigt einen Mercedes-Geländewagen vom Typ „Wolf“ und einen Bundeswehrsoldaten, der den Schädel an einer Vorrichtung zur Durchtrennung von Stahlseilen aufspießt. Ein anderes Bild soll einen Bundeswehrsoldaten mit entblößtem Glied in der linken und dem Schädel in der rechten Hand zeigen.

Das Blatt schreibt weiter, die Herkunft der menschlichen Überreste sei unklar. Nach der Aussage des Bundeswehr-Angehörigen könnte der Schädel aus einem Massengrab stammen. Unbekannt sei auch, ob es sich bei dem Totenschädel um die sterblichen Überreste eines Afghanen oder möglicherweise eines russischen Soldaten gehandelt habe, der während der sowjetischen Besatzungszeit von 1980 bis 1989 gefallen sei.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte eine unverzügliche Untersuchung an. „Es ist klar und unmissverständlich, dass ein solches Verhalten von deutschen Soldaten keinesfalls geduldet werden kann“, sagte der Minister. Der SPD-Obmann im Verteidigungsausschuss, Rainer Arnold, plädierte dafür, disziplinarrechtlich gegen die Soldaten vorzugehen. Schlechter Geschmack an sich sei nicht strafbar, aber: „Dieses Verhalten der Soldaten ist schlecht für das Ansehen der Bundeswehr.“

Der Chef des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, nannte die Bilder „absolut abstoßend und Ekel erregend. Es müssen die notwendigen strafrechtlichen und disziplinarischen Konsequenzen gezogen werden. Solche Leute können wir in unserer Armee nicht brauchen.“ Es müsse auch ganz konkret geprüft werden, „wie es passieren kann, dass trotz guter Ausbildung und trotz guter Dienstaufsicht solche Entartungen und Entgleisungen vorkommen“.

Mit anderen Vorwürfen gegen das deutsche Afghanistan-Kontingent befasst sich am Mittwoch der Verteidigungsausschuss des Bundestags: Die Abgeordneten wollen das Gremium per Beschluss in einen Untersuchungsausschuss umwandeln, um Einsätze der Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) in Afghanistan zu bewerten. Unter anderem geht es um Anschuldigungen des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz, der von Bundeswehrsoldaten im Januar 2002 in einem US- Gefangenenlager im südafghanischen Kandahar misshandelt worden sein will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%