Afghanistan Dutzende Tote bei Taliban-Anschlag in Kabul

Eine Ambulanz voller Sprengstoff, ein Knall, der stadtweit zu hören ist - es ist der zweite schwere Anschlag in Kabul in einer Woche. Taliban und Islamischer Staat haben Kabul zu ihrem Lieblingsziel gemacht.
Update: 27.01.2018 - 17:15 Uhr Kommentieren

Schwerer Anschlag in Kabul

Schwerer Anschlag in Kabul

KabulKabul erlebt eine blutige Woche: Mit dem zweiten schweren Terrorangriff innerhalb von sieben Tagen haben die radikalislamischen Taliban in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 95 Menschen getötet und 158 verletzt. Das teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Madschroh, am Samstagabend (Ortszeit) mit. Erst vor einer Woche hatten sechs Kämpfer der Taliban in einer 17-stündigen Attacke das große Hotel Intercontinental angegriffen und mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin.

Der Anschlag auf einer der am besten gesicherten Straßen der Stadt nahe vieler Botschaften und afghanischer Sicherheitseinrichtungen war außerdem der schwerste seit der Lastwagenbombe vor der deutschen Botschaft im Mai 2017. Damals waren rund 150 Menschen getötet worden.

Regierungen und Institutionen aus aller Welt verurteilten den Anschlag. UN und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) kritisierten scharf, dass die Taliban ausgerechnet einen Krankenwagen mit Sprengstoff beladen hatten, um ihrem Ziel nahezukommen.

Aus dem Auswärtigen Amtes hieß es, man trauere mit den Freunden und Familien der Opfer. „Diese grausame Gewalt wird Afghanistan und seine Freunde nur darin bestärken, die Suche nach Frieden entschlossener voranzutreiben.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Täter als hinterhältig und grausam.

Gegen 13.00 Uhr (Ortszeit) hatte der Attentäter seine Bombe dort gezündet, wo Kabul immer voller Menschen ist: nahe dem Sedarat-Platz im zentralen Regierungs- und Geschäftsviertels Schar-e Nau. Der Mann hatte sich als Ambulanzfahrer verkleidet und versucht, mit dem Krankenwagen in die Straße einzubiegen, in der unter anderem die Gesandtschaft der Europäischen Union, die Botschaften von Schweden und Indien sowie Gebäudekomplexe des Innenministeriums und Geheimdienstbüros liegen. Als Sicherheitskräfte ihn am zweiten Kontrollposten als Gefahr erkannten, zündete er seine Bombe. Es muss eine gewaltige Ladung gewesen sein - über der Stadt stieg eine hohe Rauch- und Staubwolke auf.

Der Inhaber eines Kopiergeschäfts am Sedarat-Platz sagte im Fernsehen, es habe sich angefühlt, als habe die Detonation den Boden unter ihm bewegt. Er habe im Laden gesessen, als es geschah. „Da hat plötzlich eine starke Windböe alles Glas zerschmettert, es hat Splitter auf uns geregnet.“ Der Mann im Nachbarladen habe kurz zuvor einen Jungen losgeschickt, um Essen zu holen. „Als wir hinausrannten, sahen wir den Jungen daliegen, voller Blut. Er war tot.“

Die EU-Botschaft liegt nur etwa 120 Meter vom Anschlagsort entfernt. Ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Uns geht es gut. Keine der internationalen oder afghanischen Kollegen wurden verletzt oder getötet.“ Alle Mitarbeiter seien nach dem Knall sofort in Schutzräume gebracht worden. Allerdings seien viele Fenster zerbrochen.

Nahebei liegt auch das große Dschamhuriat-Krankenhaus. Ein Doktor veröffentlichte auf seiner Facebookseite einen Hilferuf: „Wir brauchen Blut. Ärzte und Zivilisten verletzt.“ Auf Bildern waren verwüstete Krankenzimmer zu sehen. Gleichzeitig strömten Verletzte in die Klinik. Ein Video zeigte, wie schreiende Verletzte in Korridoren am Boden behandelt werden mussten.

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