Afghanistan
Eine Geisel ist gestorben

Dramatische Wende im Geiseldrama in Afghanistan: Einer der entführten Deutschen ist in der Geiselhaft gestorben. Das bestätigte sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Abend. Den Tag über gab es unterschiedliche Versionen. Ein angeblicher Taliban-Sprecher hatte behauptet, die Geiseln seien umgebracht worden.

HB KABUL/BERLIN. „Alles weist darauf hin, dass er den Strapazen erlegen ist“, sagte Steinmeier in Berlin. Ein Mord sei unwahrscheinlich. Jetzt komme es darauf an, alles zu tun, damit die zweite deutsche Geisel freigelassen werde. Steinmeier zeigte sich empört darüber, dass Extremisten – insbesondere die Taliban – die Entführung in den letzten beiden Tagen für ihre Zwecke instrumentalisiert hätten.

In der verwirrenden Lage seien neue Informationen aus Afghanistan immer wieder geprüft worden. „Manchmal macht man in solchen Situationen die bedrückende Erfahrung, dass dem eigenen Handeln Grenzen gesetzt sind“, betonte Steinmeier. „Wir sind in dieser Stunde vereint in Trauer mit den Angehörigen und Freunden.“ Die entführten Ingenieure hätten sich für den Wiederaufbau Afghanistans eingesetzt. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes berate weiter. Die afghanischen Behörden hätten ihre Zusammenarbeit angeboten. Er selbst habe den ganzen Tag über in ständigem Kontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gestanden.

Ein Mann, der sich als Taliban-Sprecher ausgab, hatte erklärt, beide Deutschen seien erschossen worden, weil die Regierung in Berlin die Forderung nach einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ignoriert habe. Der Mann, der sich als Kari Mohammed Jussuf telefonisch bei Agenturen meldete, hatte noch einmal kurzfristige Ultimaten gestellt, bevor er die angebliche Erschießung der beiden Geiseln bekannt gab.

Die ARD berichtete, ihr Hörfunkstudio in Kabul habe Hinweise darauf, dass eine deutsche Geisel bereits am Freitag gestorben sei. In einem Bericht der Online-Ausgabe des „Spiegel“ hieß es, dabei handele es sich um Rüdiger B. aus Mecklenburg-Vorpommern, der an Diabetes erkrankt sei. Weiter schrieb das Internet-Magazin, das Auswärtige Amt arbeite mit der These, dass die beiden Deutschen nicht in der Hand der Taliban seien, sondern von einem Stamm gefangen gehalten würden. Mit ihm, so die Hoffnung, könne man noch verhandeln. Die beiden Bauingenieure hätten für eine afghanisch-deutsche Kabuler Firma in der Provinz Wardak den Band-e-Sultan-Staudamm besichtigt.

Die beiden Deutschen werden seit Mittwoch vermisst. Sie wurden etwa 100 Kilometer südwestlich von Kabul in Wardak verschleppt. Es handelt sich bei ihnen nach Medienberichten um zwei Bauingenieure, die im Auftrag der Vereinten Nationen Bau- und Entwicklungsprojekte betreuten. „Spiegel-Online“ berichtete, es würden sich Hinweise verdichten, dass das eigentliche Ziel der Entführer ein afghanischer Geschäftsmann gewesen sei. Kanzlerin Angela Merkel wollte die Ereignisse zunächst nicht kommentieren und verschob deswegen nach ARD-Angaben ein Interview von Samstag auf Sonntag. Sie hatte zuletzt in einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ vom Samstag bekräftigt, die Bundesregierung lasse sich nicht erpressen. „Wir dürfen jetzt nicht mit unseren Anstrengungen nachlassen. Das afghanische Volk darf nicht im Stich gelassen werden.“ Die deutsche Beteiligung müsse beibehalten werden.

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