Afghanistan-Einsatz
Bundeswehr bekommt Kommando in unsicheren Zeiten

Schwere Gefechte im Süden, Ausschreitungen in der Hauptstadt Kabul, Anschläge im Norden des Landes: Afghanistan kommt nicht zur Ruhe und die Kritik an dem Konzept für den Afghanistan-Einsatz wächst. In diesem unberechenbaren Umfeld übernimmt die Bundeswehr in der Nacht zum Donnerstag das Kommando der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan.

HB BERLIN. „Unser Einsatz in Afghanistan basiert nicht auf einem wirklich schlüssigen Konzept“, kritisierte der Chef des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, am Mittwoch in der „Leipziger Volkszeitung“. Die Politik mache ihre Hausaufgaben nicht, während die Soldaten vor Ort immer stärker in Gefahr gerieten. Der FDP-Außenexperte Werner Hoyer sagte, das Konzept des Soldaten als uniformiertem Entwicklungshelfer sei am Scheitern. Irgendwann werde die Nato vor der Entscheidung stehen, entweder massiv Truppen nach Afghanistan zu schicken oder sich ganz aus dem Land am Hindukusch zurückzuziehen. Ein Abzug der Nato würde jedoch automatisch eine Debatte darüber auslösen, ob das westliche Verteidigungsbündnis überhaupt noch eine Zukunft habe. Verteidigungsminister Franz Josef Jung äußerte sich besorgt über die Sicherheitslage, verteidigte den Bundeswehr-Einsatz jedoch.

Sicherheitslage drastisch verschlechtert

Die Sicherheitslage in Afghanistan hatte sich zuletzt drastisch verschlechtert. Am Montag gab es in Kabul die schwersten anti-amerikanischen Ausschreitungen seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban Ende 2001. Vor allem in den Provinzen im Osten und Süden des Landes gilt die Lage als problematisch. In den vergangenen Wochen wurde vor einem Wiedererstarken der Taliban gewarnt. Die Linkspartei fordert den Abzug der rund 2700 deutschen Soldaten aus dem Land.

„Bevölkerung ist müde geworden“

Gertz kritisierte, die Aufgabenteilung zwischen den am Einsatz in Afghanistan beteiligten Nationen funktioniere nicht. Nötige Aufgaben wie die Drogenbekämpfung würden links liegen gelassen. „Insgesamt verfehlen wir das Ziel, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern“, bemängelte er. Selbst in der Hauptstadt Kabul genüge ein kleiner Funke, um schwere Unruhen auszulösen. Die afghanische Bevölkerung sei müde geworden und stehe nicht mehr wie früher fast geschlossen hinter den Soldaten. Es werde nicht mehr zwischen amerikanischen und europäischen Truppen unterschieden. Das habe Auswirkungen auf die Sicherheit der Soldaten, die Anlass zur Sorge gäben.

„Die Politik redet sich manchmal die Verhältnisse schön“, kritisierte Gertz. „Wir können mit Soldaten nur die vorübergehende Abwesenheit von Krieg und Bürgerkrieg erkaufen, aber keine politische Lösung bewirken“. Daher müsse die Politik ihre Hausaufgaben machen. Dazu zähle, dass es sehr viel früher eine Bestandsaufnahme hätte geben müssen, warum es noch immer keine Aussicht auf einen strategischen Erfolg gebe. So belaste die ungeklärte Frage der Kooperation zwischen der Nato-Friedenstruppe Isaf und den weitgehend von den USA gestellten Kampftruppen im Einsatz gegen die Taliban alle Soldaten.

Auch der FDP-Außenexperte Hoyer stellte die Frage, wie lange es noch so weitergehen könne. „Wir stehen vor dem Scheitern des Konzeptes des lächelnden Soldaten“, warnte er.

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