Afghanistan-Einsatz
Kanadier und Briten schimpfen über Berlin

Der Druck auf Deutschland, sich im umkämpften Süden Afghanistans zu engagieren, wächst: Bei einer Nato-Versammlung warf ein britischer Delegierter einem Zeitungsbericht zufolge deutschen Soldaten vor, kanadische Truppen im Stich gelassen zu haben.

HB BERLIN. Bei der Nato-Parlamentarierversammlung in Quebec sei dies ein „Riesenthema“ gewesen, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ deutsche Teilnehmer des Treffens. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl Lamers sagte der Zeitung: „Sollte es notwendig sein, dass man mit mehr Truppen da „reinmuss, dann muss man darüber nachdenken. Dann stellt sich die Frage aber für alle, auch für die, die noch gar nicht in Afghanistan sind.“

Der FDP-Abgeordnete Max Stadler sagte der Meldung zufolge, ein britischer Teilnehmer habe sich über unterlassene Hilfeleistung beklagt. Während der Operation „Medusa“ im Sommer habe der Kommandeur der internationalen Afghanistanschutztruppe (Isaf)um 150 Mann Unterstützung gebeten, weil kanadische Einheiten in schwere Bedrängnis geraten seien. Der deutsche Kontingentführer habe mitgeteilt, er hätte zwar Soldaten, bekomme aber aus Berlin keine Erlaubnis für deren Entsendung.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei habe einen britischen Kollegen mit den Worten zitiert: „Wenn sie uns nicht unterstützen können, sollen sie uns wenigstens nicht bekämpfen.“ Unter den britischen, kanadischen und niederländischen Kollegen herrsche eine Stimmung nach dem Motto „Ihr da oben trinkt Bier, während wir die Knochen hinhalten“, hieß es laut „Faz“.

Deutsche Soldaten sind im Rahmen von Isaf im Raum Kabul und im Norden Afghanistans stationiert. Immer wieder waren in den vergangenen Wochen Forderungen vor allem aus den USA, Kanada und Großbritannien laut geworden, Deutschland und andere Nato-Partner müssten innerhalb der Isaf mehr Verantwortung übernehmen. Sie sollten Kampftruppen in den Süden zu schicken, in dem sich die Soldaten einiger weniger Nato-Staaten dauerhaft verlustreiche Kämpfe mit den Taliban-Rebellen liefern.

Nachtwei bezeichnete die Auseinandersetzungen unter den Parlamentariern als sehr ungewöhnlich. Deutschland sei aber unter anderem von Spanien, Italien und Griechenland unterstützt worden. Die Parlamentarische Versammlung der NATO hat keine Entscheidungsbefugnis, gilt aber als wichtiger Gradmesser für die politische Stimmung in den Mitgliedsländern.

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