Afghanistan-Einsatz
Neuer Bombenanschlag auf Bundeswehr-Konvoi

Die Bundeswehr in Afghanistan ist am Sonntag erneut Ziel eines Sprechstoffanschlages geworden: Ein Konvoi wurde mit einer selbst gebauten Bombe angegriffen. Niemand wurde verletzt, Fahrzeuge trugen aber Splitterschäden davon, teilte die Bundeswehr mit.

HB BERLIN. Zuvor hatten Politiker die Sorge geäußert, dass die Gewalt gegen deutsche Soldaten in Afghanistan zunehmen könne, weil sie nach dem tödlichen Zwischenfall an einer Straßensperre nicht mehr nur als Helfer, sondern auch als Täter angesehen würde.

Der jüngste Anschlag wurde der Bundeswehr zufolge 45 Kilometer westlich von Kundus am Vormittag verübt. Laut "Spiegel Online" konnten die Fahrzeuge ihre Fahrt fortsetzen. Erst am Samstagabend hatte ein Flugzeug der Luftwaffe den vergangene Woche nahe Kundus in einer Sprengfalle getöteten 29-jährigen Soldaten zurück in die Heimat gebracht.

Angehörige und eine Abordnung seines Fallschirmjägerbataillons nahmen den Leichnam in Köln in Empfang. Am morgigen Montag findet im Saarland eine Trauerfeier statt. Nach den tödlichen Schüssen auf eine Frau und zwei Kinder an einer von afghanischen Kräften und deutschen Soldaten bewachten Straßensperre am Donnerstagabend ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam die genauen Umstände.

Die Bundeswehr hatte kurz nach dem Zwischenfall erklärt, dass die Schüsse möglicherweise aus deutschen Waffen abgegeben wurden.

Der Verteidigungsexperte der SPD-Fraktion, Walter Kolbow, meinte im der "Welt am Sonntag", bisher habe die Truppe in Afghanistan eher den Ruf von Helfern gehabt. "Jetzt hat uns auch die Täterrolle erreicht." Er sah aber keinen Grund, am Afghanistan-Einsatz zu zweifeln.

Der SPD-Außenpolitiker Gerd Weisskirchen wiederum plädierte für eine Überprüfung des Mandats. Er verlangte eine schonungslose Prüfung des Vorfalls und sagte: "Wenn Soldaten aggressiv die Grenzen dieses Mandats überschritten haben, dann muss das Folgen haben."

Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Christian Ströbele, forderte in der "Berliner Zeitung" ein Ende des Einsatzes in "verantwortbarer Weise". Dieser Haltung widersprach allerdings der sicherheitspolitische Sprecher der Fraktion, Winfried Nachtwei. Im "Tagesspiegel am Sonntag" sagte er, ein sofortiger Abzug wäre eine politische Kurzschlusshandlung. Ein Bürgerkrieg wäre die Folge, wenn alle internationalen Truppen aus Afghanistan abzögen.

Linkspartei und Friedensbewegung kündigten an, am 20. September in Berlin und Stuttgart gegen die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan protestieren.

Der Bundeswehrverband forderte angesichts des Todes des deutschen Fallschirmjägers eine bessere Ausstattung der Truppe mit Fahrzeugen und Waffen. Verbandschef Bernhard Gertz sagte der in Berlin erscheinenden "B.Z. am Sonntag": "Für diesen Krieg gegen reguläre Taliban-Kämpfer müssen wir Ausbildung und Bewaffnung unserer Soldaten umstellen."

Außerdem verlangte er eine Verzehnfachung der Zahl der Polizeiausbilder auf 2.000. Auch die FDP plädierte für eine Stärkung der Polizeiausbildung. Dagegen wandte sich die Gewerkschaft der Polizei.

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