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Afghanistan: Frankreich droht mit vorzeitigem Abzug

Nach dem tödlichen Angriff eines afghanischen Soldaten auf vier französische Kameraden droht Paris mit vorzeitigem Abzug vom Hindukusch und setzt vorübergehend alle Militäraktionen dort aus.

Ein französischer Soldat in Afghanistan. Quelle: AFP
Ein französischer Soldat in Afghanistan. Quelle: AFP

Kabul/ParisAußenminister Alain Juppé drohte mit vorzeitigem Abzug der französischen Armee, die nach bisheriger Planung Ende 2014 abrücken will. Juppé forderte auf einer Pressekonferenz in Paris bezüglich der Rekrutierungen afghanischer Soldaten „glaubwürdige Zusicherungen“ der dortigen Armeeführung. Sonst würden sich die französischen Truppen früher als geplant zurückziehen.

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Ein afghanischer Soldat hatte zuvor vier französischen Soldaten im Osten des Landes erschossen.

Verteidigungsminister Gérard Longuet sagte, er werde sich noch am gleichen Tag nach Kabul begeben, um die Umstände zu klären und Empfehlungen für die Regierung zu erarbeiten. Bis dahin werden alle militärischen Aktionen in Afghanistan ausgesetzt. „Die französische Armee ist nicht in Afghanistan, damit afghanische Soldaten sie beschießen“, hatte Sarkozy bei einem Empfang fürs diplomatische Korps erklärt und die vorübergehende Suspendierung aller französischen Militäraktionen angekündigt.

Auch der sozialistische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande hatte sich nach Angaben des TV-Nachrichtensenders BFM für einen vorzeitigen Abzug der französischen Truppen „bis Ende 2012“ ausgesprochen.

„Wenn die Sicherheitsbedingungen nicht klar erfüllt sind, dann wird sich die Frage nach einer vorzeitigen Rückkehr der französischen Armee stellen“, sagte Sarkozy. Er werde über die Lage mit dem afghanischen Präsident Hamid Karsai bei dessen Besuch in Paris in einer Woche sprechen.

Afghanistan

Der französische Präsident versicherte, dass Frankreich an der Seite seiner afghanischen Verbündeten stehe. Er nannte es aber inakzeptabel, dass „auch nur einer unserer Soldaten durch unsere Verbündeten getötet oder verletzt“ werde. „Wir sind Freunde des afghanischen Volkes, Verbündete des afghanischen Volkes, aber ich kann es nicht akzeptieren, dass afghanische Soldaten auf französische Soldaten schießen“, sagte er.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte, solche Vorfälle seien „fürchterlich“. Sie seien aber Einzelfälle. Er widersprach damit dem Eindruck, dass zunehmend aus der afghanischen Armee heraus Angriffe gegen Soldaten der internationalen Truppe ISAF gestartet würden. Einige Angriffe der vergangenen Monate waren Mitgliedern der radikalislamischen Taliban zugeschrieben worden, welche die afghanischen Truppen infiltriert hätten. Bei anderen wurden Streitigkeiten zwischen Afghanen und ausländischen Soldaten als Grund angegeben.

Bei dem Angriff am Freitag im Osten des Landes wurden vier französische Soldaten getötet und 16 weitere Menschen verletzt, unter ihnen acht Franzosen. Nach Angaben der afghanischen Sicherheitskräfte hatte ein Mann in der Uniform der afghanischen Armee im Distrikt Tagab der Provinz Kapisa das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Die Franzosen seien während eines Trainings in der Militärbasis Gwam erschossen worden, sagte Verteidigungsminister Longuet, der den Vorfall mit einem „Mord“ verglich.

Seit Beginn des internationalen Einsatzes Ende 2001 starben in Afghanistan bisher 82 französische Soldaten. Derzeit sind 3600 französische Soldaten vor Ort. Frankreich hat bereits im vergangenen Oktober mit dem Rückzug seiner Truppen aus dem Land begonnen. Seither wurden 400 Soldaten abgezogen. Bis Ende 2012 sollen rund tausend Soldaten zurückgekehrt sein. Bis 2014 will Frankreich seine Truppen ganz aus dem Land abziehen.

Die Franzosen folgen damit dem Abzug der USA. Deutschland will ab Februar die Zahl seiner Soldaten in Afghanistan von bisher 5350 auf höchstens 4900 Soldaten verringern. Der Bundestag entscheidet darüber am nächsten Donnerstag.

  • 20.01.2012, 21:26 UhrICH

    ich stimme dir voll zu margit. ich bin AFGHANE und obwohl ich finde das dein beitrag sich rassistisch anhört könnte ich dich küssen. afghanen leben nach der vostellung von JOHN LOCKE als freie menschen, die sich nicht unterjochen lassen. sklaverei in europa hat grundrechte erst zur notwendigeit machen lassen.

  • 20.01.2012, 21:25 UhrICH

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