Afghanistan

Frankreich und USA beginnen Truppenabzug

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hat den Abzug französischer Truppen aus Afghanistan angekündigt. An dem Balanceakt versucht sich auch US-Präsident Barack Obama, für den es 2012 um seine Wiederwahl geht.
Update: 23.06.2011 - 12:18 Uhr 9 Kommentare
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (l.) und US-Präsident Barack Obama (r.): Beide Länder beginnen mit dem Abzug aus Afghanistan. Quelle: Reuters

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (l.) und US-Präsident Barack Obama (r.): Beide Länder beginnen mit dem Abzug aus Afghanistan.

(Foto: Reuters)

Washington/ParisNach dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama hat auch Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy einen Truppenabzug aus Afghanistan angekündigt. Sarkozy sagte am Donnerstag in Paris, rund 4.000 französische Soldaten sollten von diesem Sommer an nach und nach aus Afghanistan zurückkehren.

Am Tag zuvor läutete Barack Obama den Truppenabzug knapp zehn Jahre nach Beginn des Afghanistan-Krieges ein. „Die Kriegsflut ebbt ab“, verkündete der US-Präsident am Mittwochabend (Ortszeit) der Nation. 33.000 US-Soldaten will er bis Sommer 2012 aus Afghanistan nach Hause holen, 10.000 davon bereits in diesem Jahr.

Barack Obama bei einem Truppenbesuch in Afghanistan: Der US-Präsident hat den Abzug eingeleitet. Quelle: dpa

Barack Obama bei einem Truppenbesuch in Afghanistan: Der US-Präsident hat den Abzug eingeleitet.

(Foto: dpa)

Damit wählte Obama den Mittelweg. Wahrscheinlich enttäuschte er mit seinem Plan Kriegsmüde auch in der eigenen Partei, die auf einen umfangreicheren und schnelleren Abzug gedrungen hatten. Umgekehrt schlug Obama seinen Generälen den Wunsch ab, an der Kampftruppen-Stärke noch zwei Jahre lang möglichst wenig zu rütteln.

Heraus kam ein Stufenplan, mit dem nach seiner Einschätzung wahrscheinlich beide Lager leben können - und er selbst damit auch. Der Präsident sprach zur Hauptfernsehzeit, was allein schon viel besagt: Obama weiß, wie viel auf dem Spiel steht. Der Wahlkampf 2012 ist bereits im Gange, in den vergangenen Monaten ist der Druck auf den Präsidenten - und das von links und rechts - immer größer geworden, den versprochenen Truppenabzug zu beschleunigen.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat die Pläne der USA begrüßt, die Anzahl der Soldaten am Hindukusch zu reduzieren. Dies sei die richtige Entscheidung im Interesse beider Staaten, sagte Karsai am Donnerstag. „Das
Vertrauen des afghanischen Volkes in die afghanische Armee und Polizei wächst jeden Tag und der Schutz dieses Landes ist Aufgabe der Afghanen.“

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat positiv auf den von US-Präsident Barack Obama angekündigten Teilrückzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan reagiert. „Die Entscheidung des Präsidenten ist ein natürliches Ergebnis der Fortschritte, die wir gemacht haben“, heißt es in einer Erklärung Rasmussens vom Donnerstag in Brüssel. „Wir sehen, dass sich das Blatt wendet.“

Die radikalislamischen Taliban seien „unter Druck geraten“: „Die afghanischen Sicherheitskräfte werden mit jedem Tag stärker. Und die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen ist im Plan, um 2014 abgeschlossen zu werden.“ Rasmussen sagte, die von der Nato geführte internationale Afghanistan-Schutztruppe werde zunehmend aus Kampfeinsätzen abgezogen und Ausbildungsaufgaben übernehmen: „Dieser Prozess hängt von der Lage an Ort und Stelle ab. Und er beruht auf enger Abstimmung zwischen den Verbündeten und deren Partnern.“

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9 Kommentare zu "Afghanistan: Frankreich und USA beginnen Truppenabzug"

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  • "Ein Großteil der Amerikaner hält die US-Aufgabe in Afghanistan schlicht für erledigt - schon jetzt, nicht erst 2014, ....

    Die Bundesregierung will sich aber anders als die USA noch nicht auf eine Größenordnung für den Truppenabzug aus Afghanistan in diesem und im nächsten Jahr festlegen."

    Zwischen diesen beiden Sätzen klafft doch ein gewisser Widerspruch. Beide Sätze sind in diesem Artikel gleichzeitig vorhanden?

    Wahrscheinlich liegt es an den Wahlen. Der Wahltermin von Obama liegt näher. Die Bundesregierung glaubt, sich noch Zeit nehmen zu können- diese Wahl ist für diese -ja etwas später.

    Na ja - schauen wir mal- Auf der einen Seite geht es um " totgeschossene Seelen" und auf der anderen nur um "Stimmen". Ein wirklich schmutziges "Geschäft" - dieser Afghanistankrieg!

    Und weiter heißt es hier:

    "Nach fast zehn Jahren Afghanistan-Krieg, nach mehr als 1500 Toten allein auf der US-Seite, hat das Gros der sonst so geduldigen und leidensfähigen Amerikaner einfach genug."

    Aber warum erst nach zehn Jahren diese Erkenntnis. Es ginge ja auch früher - sollte man beim nächsten Mal vielleicht mal berücksichtigen - oder ?

  • Was werden wohl jetzt die Hinterbliebenen der unzähligen Gefallenen und Verstümmelten denken, falls die Ziele preisgegeben werden, für die sie dorthin geschickt wurden, für die sie bereitwillig und ohne Schonung ihres Lebens und ihrer Unversehrtheit gekämpft haben oder verblutet sind. Einen Abzug ohne Einlösung der Erwartungen, Begründungen und Versprechungen erachte ich als bedenklich. Bedenklich ist auch die neuerliche Differenzierung zwischen Al Kaida und Taliban, obwohl eine Wesensänderung der Taliban seit dem Einmarsch nicht nachgewiesen wird. Entscheidungen nach Kassenlage mögen kurzfristig sehr populär sein, aber langfristig untergraben sie Glaubwürdigkeit.

  • Sie sind ein Linkswähler! Hab ich recht? Ja! Wenn sie sagen Nein! Dann verleugnen sie es! Stehen sie zu ihren Linksdruck

  • Der Rückzug aus Afghanistan hat ganz einfache Gründe: die Kasse ist leer! Vermutlich hat man auch nicht die erhofften Bodenschätze gefunden. Jedenfalls werden die Geschäfte der Rüstungsindustrie zurück gefahren. Konkret heißt das, noch weniger Beschäftigte bzw noch mehr Arbeitslose in den USA. Es werden erste Wolken am Konjunkturhimmel ausgemacht...
    Menschenopfer und Steuermilliarden - alles umsonst verschleudert, aber wir mussten ja unbedingt unsere Freiheit am Hindukusch verteidigen! Dieses Afghanistan befindet sich noch im Mittelalter. Nur die eigene Bevölkerung kann die Neuzeit herbeiführen, Druck von außen bewirkt nur Gegendruck.

  • ''Die Entscheidung des Präsidenten ist ein natürliches Ergebnis der Fortschritte, die wir gemacht haben“, heißt es in einer Erklärung Rasmussens vom Donnerstag in Brüssel. „Wir sehen, dass sich das Blatt wendet.“

    Die radikalislamischen Taliban seien „unter Druck geraten“: „Die afghanischen Sicherheitskräfte werden mit jedem Tag stärker.''

    HAHAHAHAHAHAHA , VERDAMMT NOCHMAL DIE TALIBAN HABEN GEWONNEN UND IHR HABT VERLOREN !!!

  • Der eigentliche Grund für den Rückzug sehe ich in der Erkenntnis, dass in dieser Gegend keine zivilisierte Gesellschaft aufgebaut werden kann. Das einige Problem sind die pakistanischen Atomwaffen, da wird sich Obama etwas einfallen lassen müssen. Vielleicht sollte man Merkel und Westerwelle dort hin schicke, das könnte die Islamisten in den Wahnsinn treiben.

  • Niemand zieht hier ab! Das haben wir doch im Irak gesehen, sind weitergezogen nach Afghanistan oder jetzt vielleicht ins nächste arabische Land?! Hat Obama denn Guantanamo aufglöst? Keine Lobbyisten in die Regierung! Hatte er auch mal alles versprochen! Das beste wäre den eigenen Rückzug anzukündigen!!!

  • Nächstes Mal sollen diese Dilettanten den Blödsinn selbst bezahlen den sie verzapfen.
    Die vielen Toten,alles umsonst.
    Keine Rohstoffe,kein Landgewinn,nur Kosten,Tote Soldaten
    und diverse afghanische Milliardäre und Millionäre.
    Wenn diese trickreichen Völker jetzt noch mit unserer westlicher Hilfe an Bildung kommen,hat der Mitteleuropäer
    verschissen.

  • Obama hat in seiner Rede an die Nation auch aufgezeigt, was er für die nächsten Monate an Schwerpunkte in seiner Politik setzt: die "Infrastruktur/die Städte und Bundesstaaten" der USA auf "Vordermann" bringen, die US-Wirtschaft vielleicht auch durch ein Treffen mit dem "US-Wirtschafts-/Industrieverband" und die Beziehungen zu Pakistan und dessen Bedeutung in der Weltpolitik.

    Der US-Wahlkampf wirft seine Schatten voraus, aber Obama wirkte voll konzentriert und lässt sich auch nicht von den Vorgeplänkeln der Republikaner abbringen.

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