Afghanistan
Karsai-Bruder wohl auf CIA-Gehaltsliste

Wenige Tage vor der Stichwahl um die afghanische Präsidentschaft sieht sich die Famlie von Amtsinhaber Hamid Karsai massiven Vorwürfen ausgesetzt. Die „New York Times“ berichtet, dass Karsais Bruder, Ahmed Wali Karsai, seit acht Jahren vom amerikanischen Geheimdienst CIA bezahlt worden.
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WASHINGTON. Würden sich die Anschuldigungen als wahr erweisen, dann könnte dies jenen in die Hände spielen, die Karsai seit langem als Marionette der USA darstellen - ein Vorwurf, der insbesondere von den Taliban erhoben wird.

Die Zeitung, die sich auf anonyme Regierungbeamte stützt, schreibt, dass Ahmed Wali Geld dafür bekomme, mit einer eigenen paramilitärischen Truppe rund um Kandahar zu operieren. Kandahar ist das Zentrum des paschtunischen Landesteils und die Region um die Stadt eine der Hochburgen der Taliban. Der Bruder des Präsidenten war in der Vergangenheit immer wieder wegen angeblicher Korruption und Verstrickungen in den Opiumhandel massiv in die Kritik geraten. Ahmed Walid Karsai bestätigte Kontakte mit der CIA, bestreitet jedoch, vom US-Geheimdienst Geld zu erhalten und im Drogenhandel aktiv zu sein.

Nach Informationen der New York Times vermietet Ahmed Wali Karsai an die CIA ein Gelände am Rande von Kandahar, das für paramilitärische Zwecke verwendet wird. Von dort aus würden Operationen gegen Extremisten durchgeführt, einmal auch gegen einen afghanisches Regierungsmitglied. Gleichzeitig sei es der Präsidentenbruder, der Kontakte zwischen gesprächsbereiten Taliban und amerikanischen Sicherheitskräften herstelle. Dies füge sich in die Strategie des amerikansichen Präsidenten Barack Obama, der seit längerem versuche, so genannte moderate Taliban zu einem Seitenwechsel zu bewegen.

Für Hamid Karsai besitzen die Anschuldigungen erhebliche Sprengkraft. Die Glaubwürdigkeit des Präsidenten ist seit längerem aufgrund von Korruptionsvorwürfen beschädigt. Ihm wird zudem vorgeworfen, bei den Wahlen am 20. August nur mit Hilfe massiver Fälschungen einen Vorsprung vor seinem Herausforderer Abdullah Abdullah errungen zu haben. Während sich Karsai bereits als Sieger der ersten Wahlrunde sah, musste er aufgrund ausländischen Drucks einer Stichwahl zustimmen, die am 7. November abgehalten werden soll. Karsais Bruder soll dabei mitgeholfen haben, dass Karsai im ersten Wahlgang so gut abgeschnitten hatte.

Ahmed Wali Karsai gilt als einer wichtigsten Drahtzieher in Kandahar. Die US-Armee und andere Nato-Truppen hatten sich bereits kurz nach dem Einmarsch in Afghanistan mit lokalen Warlords verbündet, um die Lage im Lande zu stabilisieren. Erst später waren sie von dieser Politik wieder abgerückt und setzten stattdessen auf ein starkes Machtzentrum in Kabul. Würden sich die Vorwürfe einer Kooperation zwischen der CIA und Ahmed Wali Karsai bestätigen, würde dies die Glaubwürdigkeit der US-Linie untergraben.

Unterdessen erschüttert eine ganze Serie von Gewaltakten die Region. Nach einem Anschlag im pakistanischen Peschawar wurde in Kabul ein Hotel angegriffen, das vorwiegend von ausländischen Gästen bewohnt wird. Das durchkreuzt die Pläne von US-Außenministerin Hillary Clinton, die zum Auftakt ihres Besuches in Pakistan ursprünglich nicht nur über die Sicherheitslage sprechen wollte.

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