Afghanistan
Karsai wendet sich weiter von USA ab

Der afghanische Präsident geht weiter auf Konfrontationskurs: Er forderte die USA auf, Militäroperationen zu unterlassen. Nur, wenn die Bedingungen erfüllt würden, würde er Kompromisse beim Sicherheitsabkommen machen.
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KabulDer afghanische Präsident Hamid Karsai rückt immer weiter von den USA ab: Am Sonntag forderte er die Verbündeten auf, Militäroperationen und Luftangriffe in seinem Land an sofort zu unterlassen. Zudem solle Washington den Friedensverhandlungen mit den Taliban auf die Sprünge helfen. Erst dann sei er bereit, das von ihn blockierte Sicherheitsabkommen über eine US-Militärpräsenz über dieses Jahr hinaus zu unterzeichnen.

Karsais Äußerungen kamen nach dem bislang folgenschwersten Anschlag der Taliban auf ausländische Zivilisten seit Beginn des Afghanistankriegs vor 13 Jahren. Die USA, die Vereinten Nationen verurteilten scharf den Angriff auf ein Restaurant im Kabuler Diplomatenviertel vom Freitagabend. 21 Menschen - 13 Ausländer und acht Afghanen - wurden getötet. Darunter waren Amerikaner, Briten, Russen und UN-Mitarbeiter. Die USA und die Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag scharf; für eine solche Gewalttat gebe es keine Rechtfertigung, erklärten Weißes Haus und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Stellungnahmen.

Karsai äußerte sich dagegen am Sonntag zu einer gemeinsamen Militäraktion von afghanischen und amerikanischen Truppen, bei der am 15. Januar bei einem US-Luftangriff in der östlichen Provinz Parwan zwölf Zivilisten und vier Taliban-Kämpfer getötet worden sein sollen. Er nahm einen Bericht afghanischer Ermittler entgegen, in dem US-Soldaten für die zivilen Opfer verantwortlich gemacht wurden. Karsai erörterte mit seinem Nationalen Sicherheitsrat die Operation.

„Luftangriffe sind für das afghanische Volk eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse“, sagte er. „Der Nationale Sicherheitsrat erklärt, es sollte einen sofortigen Stopp aller Operationen und Luftangriffe ausländischer Truppen geben.“

Die von den USA geführte internationale Militärkoalition gab eine völlig andere Darstellung ab: Afghanische Regierungsstellen seien nicht nur über den Einsatz informiert gewesen, sondern hätten ihn sogar angefordert. Sie hätten damit auf die Einnahme eines Gebiets durch die Taliban reagiert. „Die Operation wurde in dieser Lage vom Gouverneur angefordert“, hieß es in einer Erklärung. „Der daraus folgende Plan, genehmigt vom Verteidigungsministerium (in Kabul) war eine durchdachte Säuberungsaktion, um aufständische Aktivisten zu unterbrechen.“ Die Geheimdienstinformationen für den Einsatz seien überwiegend von afghanischer Seite gekommen.

Karsai hatte dem Sicherheitsabkommen mit den USA grundsätzlich im Oktober zugestimmt, dann aber seine Unterschrift von einem Beschluss der Großen Versammlung, der Loja Dschrirga, der afghanischen Stämme und Völker abhängig gemacht. Nachdem der Ältestenrat im November zustimmte, erklärte Karsai, er wolle, dass sein Nachfolger darüber das letzte Wort habe. Am 5. April soll die Präsidentenwahl stattfinden. Die USA hatten darauf gedrängt, das Abkommen bis zum 31. Dezember zu unterschreiben.

Karsais Forderung am die USA, mehr für einen Beginn der Verhandlungen mit den Taliban zu tun, erfolgt vor dem Hintergrund, dass die Aufständischen ihn als Verhandlungspartner ablehnen. Versuche der USA, mit den Taliban ins Gespräch zu kommen, scheiterten im vergangenen Sommer in Katar.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Afghanistan: Karsai wendet sich weiter von USA ab"

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  • "Auch Günstlinge wachen manchmal auf" Leider trifft das auf unsere US-Günstlinge in der Politik nicht zu. Da hat man eher das Gefühl das das verngesteuerte Zombis sind vorallendingen bei Merkel gewinnt man schnell den eindruck das die schon Hirntot ist, wenn man ihre leier von dem Alternativlosen hört, den bei jedem wo das Hirn noch funktioniert der hat mindestens 2 Alternativen.

  • "Karsai wendet sich weiter von USA ab"

    Auch Günstlinge wachen manchmal auf. Ansonsten: Wen wundert denn die langsame aber stetige (beginnende) Abwendung vom "Großen Bruder"? Kann der eigentlich außer Kriegspielen und Schuldenmachen sonst noch was? (Ich meine NICHT die Bevölkerung!)

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