Afghanistan-Konferenz
Viel Aufwand, wenig Ertrag

100 Delegationen, 1000 Teilnehmer: Die Afghanistan-Konferenz in Bonn ist eine Mammutveranstaltung. Konkrete Fortschritte wird sie voraussichtlich aber kaum bringen.
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BonnEs ist eine dieser Konferenzen, wo jeder zu Wort kommt, der das Bedürfnis dazu hat. Der jordanische Außenminister etwa streicht den Beitrag seines Landes zum Wiederaufbau Afghanistans heraus, der unter anderem daraus besteht, mehrere Religionsgelehrte zu schicken. Seine spanische Kollegin betont, dass 40 Ausbilder der Guardia Civil vor Ort ihr Wissen an afghanische Grenzpolizisten weitergäben. Zwischen den beiden Redebeiträgen meldet sich auch der estnische Außenminister zu Wort und betont, wie wichtig seinem Land die Stabilisierung Afghanistans sei.

100 Delegationen sind zur heutigen Afghanistan-Konferenz nach Bonn gereist, sie bringen 1000 Teilnehmer mit, darunter mehr als 60 Minister. Trotz der weltumspannenden Präsenz, trotz des riesigen Aufwandes, trotz des symbolträchtigen Termins fast exakt zehn Jahre nach der ersten Konferenz in Bonn: Echte Ergebnisse wird das Treffen wohl nicht bringen. Noch schreiben die Macher an der Abschlusserklärung, aber mehr als warme Worte für Afghanistan dürfte sie nicht enthalten. „Über symbolische Unterstützungserklärungen hinaus, die unter finanziellem Vorbehalt stehen, ist nichts Konkretes zu erwarten,“, sagt Thomas Ruttig vom Think Tank Afghanistan Analysts Network. Das wiederum ist weit weniger, als sich die Organisatoren und die Menschen in Afghanistan von dem Treffen einmal versprochen hatten.

Die Geberländer versichern, das Land auch nach dem Abzug der meisten Truppen nicht fallen zu lassen. „Afghanistan kann sich auch nach 2014 auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlassen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Konferenz. Mit solch wagen Zusicherungen müssen sich die Afghanen wohl zufriedengeben: Verbindliche Zusagen wird es nicht geben, konkrete Hilfssummen sollen erst auf späteren Konferenzen ausgehandelt werden.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai drängt die Partner dazu, die Regierung nach 2014 mit rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr zu unterstützen. Diese Summe sei nötig, um Sicherheitskräfte und Verwaltung zu finanzieren. Die Afghanen fürchten, dass der Westen angesichts seiner eigenen wirtschaftlichen Probleme und trotz gegensätzlicher Beteuerungen die Hilfe nach 2014 stark reduzieren wird. Deshalb drängt Kabul darauf, die Zusagen möglichst verbindlich zu machen.

Kommentare zu " Afghanistan-Konferenz: Viel Aufwand, wenig Ertrag"

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  • Die Konferenz war aber für Minister Westerwelle ein Erfolg, der mit aller Macht Bonn als Konferenzort wollte. Ban Ki Mon kam und die Kanzlerin. Man sah, Deutschland hat für UN-Belange in Bonn eine offene Börse, bestärkte den "guten Klang", den Bonn in der UN hat. - Darf man sich allerdings fragen, ob dies auch "geistig": Genf kann ohne "Teile der Regierung" solchen Rang bekleiden. Bonn kommt scheinbar aus dem Geist seines politischen Auftauchens nicht heraus (ohne Kenntnis von Gesamtnation und Hauptstadt): Da DARF der Verteidigungsminister nicht beim Außenminister und nicht beim Parlament sitzen. Moderne Telekommunikation macht laut "Bonner Geist" jenseitigen Hauptsitz möglich, Herr Ban Ki Mon, Herr Karsai!?? ...

  • g l e i c h und g l e i c h gesellt sich gern.

    eine alibiveranstaltung an peinlichkeit nicht zu überbieten

  • Alle Bonner, insbesondere diese, die in der Innenstadt leben und oder arbeiten, haben in den letzten Tagen ein schier unglaubliches Polizeiaufgebot nebst Teilverriegelung der Stadt gesehen und erdulden müssen. Dass der Westen einem bekannten Drogenbaron zum wiederholten Male die Hand reicht, ist Ausdruck einer vollkommen doppelmoralischen Diplomatie, wie Sie am Beispiel Libyiens über viele Jahre verfolgt wurde. Wenn die westliche Welt nur noch nach dem Motto des kleinsten Übels agiert, wird sie niemals für Verständnis und Befriedung in solchen seit Jahrhunderten unter Bürgerkriegszuständen und Entwicklungsrückständen leidenden Ländern sorgen. Aber geht es denn wirklich um Frieden?

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