Afghanistan
Merkel besuchte überraschend Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ohne Vorankündigung zu einem Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingetroffen. Bei ihrem ersten Besuch in Afghanistan traf sie auch mit Präsident Hamid Karsai zusammen. Mittlerweile ist Merkel wieder auf dem Rückflug.

HB KABUL. Die Maschine der Kanzlerin startete am Samstagnachmittag deutscher Zeit vom usbekischen Flughafen Termes in Richtung Berlin. Zuvor hatte sie den deutschen Stützpunkt in Masar-i-Sharif besucht. Dabei informierte sie sich unter anderem über die Aufklärungsflüge durch die Tornados der Bundesluftwaffe, die seit rund sieben Monaten dort stationiert sind.

Der Besuch Merkels fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Es gibt Hinweise, dass drei Verdächtige in der Nähe des Kabuler Flughafens möglicherweise einen Anschlag auf die Delegation der Kanzlerin geplant haben könnten. Konkrete Gefahr bestand aber in jedem Fall nicht, weil Merkel aus Sicherheitsgründen den Weg vom Flughafen in die Innenstadt von Kabul mit dem Hubschrauber zurückgelegt hatte.

Im Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf hatte sich Merkel in Gesprächen mit dem Kommandeur Dan Mcneill und dem UN-Sonderbeauftragten, dem Deutschen Tom Koenigs, über die Sicherheitslage und den Wiederaufbau informiert. Sie wolle sich „aus erster Hand“ unterrichten lassen, begründete Merkell den Besuch. „Wichtig ist für mich vor allem das Gespräch mit den deutschen Soldaten und den Aufbauhelfern“, sagte die Kanzlerin. Aus ihrer Delegation hieß es, dass der Besuch insgesamt „ein Zeichen der Wertschätzung“ gegenüber den in Afghanistan tätigen Deutschen, aber auch den Soldaten und Helfern aus anderen Nationen sei.

Die Bundeskanzlerin will sich für ein verstärktes deutsches Engagement bei der Polizeiausbildung in Afghanistan einsetzen. Das sicherte Merkel dem Präsidenten zu. Die Kanzlerin bezeichnete es als Ziel der deutschen Politik, Afghanistan „Schritt für Schritt“ mehr in die Lage zu versetzen, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Der Wiederaufbau des Landes müsse stärker „ein afghanisches Gesicht“ bekommen. Merkel lehnte einen dauerhaften Einsatz der Bundeswehr im umkämpften Süden des Landes erneut ab. Man werde zwar Bündnispartnern in der Not beistehen. Es wäre aber ein Fehler, wenn Deutschland seine Mission im Norden nicht im bisherigen Umfang fortsetzen würde. Karsai dankte Merkel für die jahrelange Hilfe Deutschlands.

Bei dem Besuch war es auch zu einem Zwischenfall gekommen. Als die Kanzlerin mit ihrem Hubschrauber von der Innenstadt aus zum Flughafen flog, wurde der automatische Selbstschutzmechanismus der Maschine ausgelöst. Der Hubschrauber versprühte als Ablenkung gegen einen möglichen Angriff Phosphor. Vermutlich habe der Mechanismus aber nur auf eine Spiegelung reagiert, hieß es in Kabul.

Aus Furcht vor Anschlägen war der Besuch bis zuletzt streng geheim gehalten worden. Merkel wurde deshalb von einer äußerst kleinen Delegation begleitet. In Kabul bewegte sie sich nur mit Militärhubschrauber und gepanzerten Fahrzeugen. Im Hubschrauber trug sie eine Splitterschutzweste. Sie war am Freitagabend in Berlin abgeflogen. Zuletzt hatte mit Gerhard Schröder im Herbst 2004 ein deutscher Regierungschef Afghanistan besucht.

Der Bundestag hatte erst Mitte Oktober das Mandat für die gut 3 000 Soldaten starke deutsche Isaf-Truppe verlängert, deren Auftrag die militärische Absicherung des Wiederaufbaus Afghanistans ist. Die Grünen hatten eine Reise Merkels mehrmals gefordert. Sie war aus Sicherheitsgründen immer wieder verschoben worden. Zuletzt war erwartet worden, dass Merkel erst nach der Verlängerung des Bundeswehr-Mandats zur Teilnahme am weltweiten Anti-Terror-Kampf (Operation Enduring Freedom) nach Afghanistan fliegt. Dieser wird aber erst im Laufe des Monats erfolgen.

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