Afghanistan
„Mutter aller Bomben“ tötet 36 IS-Kämpfer – Lob von Trump

Erstmals hat die USA die sogenannte „Mutter aller Bomben“ eingesetzt. Die Riesenbombe tötete in Afghanistan mindestens 36 IS-Kämpfer. Lobende Worte gab es von höchster politischer Stelle – doch es bleiben offene Fragen.
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WashingtonBeim erstmaligen Kampfeinsatz der größten nichtatomaren US-Bombe sind nach offiziellen Angaben in Afghanistan 36 mutmaßliche Mitglieder der radikalislamischen IS-Miliz getötet worden. Zivilisten seien nicht zu Schaden gekommen, teilte das afghanische Verteidigungsministerium am Freitag mit. Ein Stützpunkt, der dem sogenannten Islamischen Staat (IS) als Ausgangsbasis für Angriffe gedient habe, sei zerstört worden, ebenso ein 300 Meter langer Tunnel. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen.

Die Bombe gilt mit mehr als 8000 Kilogramm Sprengstoff und elf Tonnen TNT-Äquivalent als größter konventioneller Sprengkörper der US-Streitkräfte. Nur Russland verfügt über eine noch größere Bombe. Die GBU-43 ist nach ihrer Entwicklung 2003 bisher nach US-Medienberichten noch nie bei tatsächlichen Kampfhandlungen eingesetzt worden. Ihre militärische Bedeutung ist umstritten, sie gilt wegen ihrer schieren Größe und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung.

Präsident Donald Trump lobte den Einsatz. „Wir sind sehr stolz auf unser Militär. Es war ein weiterer Erfolg“, sagte er in Washington. Ob er den Einsatz persönlich genehmigt hatte, bestätigte er nicht. „Jeder weiß genau, was passiert. Also, ich autorisiere unser Militär. Wir haben ihnen volle Befugnis gegeben, und das ist, was sie machen.“ Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, wollte sich ebenfalls nicht dazu äußern, ob Trump den Abwurf persönlich angeordnet hatte.

Auf Fragen, ob der Einsatz der Bombe auch als Warnung an Nordkorea gedacht sei, antwortete Trump, dies mache keinen Unterschied. „Ich weiß nicht, ob das eine Botschaft sendet. Es ist auch egal, ob es das tut oder nicht. Nordkorea ist ein Problem. Das Problem wird gelöst werden.“

„Ich habe noch nie im Leben einen solchen Knall gehört“, sagte Malik Mohammed, ein Stammesältester in Achin der Deutschen Presse-Agentur. Selbst sieben Kilometer von der Abwurfstelle entfernt sei noch Glas zerborsten. In der Nähe des IS-Höhlenkomplexes hätten sich kaum noch Zivilisten aufgehalten, berichteten andere Älteste. Afghanische Truppen hatten demnach am Donnerstagnachmittag noch verbliebene Anwohner weggebracht. Auch die Stammesältesten bestätigten, es gebe keine Informationen über zivile Opfer. Afghanistans ehemaliger Staatschef Hamid Karsai verurteilte den Angriff. Sein Land werde als Testgebiet für neue Waffen missbraucht, schrieb er auf Twitter.

Die Rebellen verstärkten derzeit ihre Verteidigungslinien mit improvisierten Sprengkörpern, Tunnels und Bunkern, hieß es in einer Mitteilung der Nato-Streitkräfte in Afghanistan. „Dies ist die richtige Munition, um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen und das Momentum unserer Offensive gegen den IS zu erhalten“, so der Kommandeur der US-Truppen in Afghanistan, General John Nicholson.

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