Afghanistan
Nato noch über Jahre im Land

Ausländische Soldaten werden wohl noch bis Jahre nach 2014 hinweg im Land bleiben - dies ergab jetzt eine Einschätzung der Nato nach der Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte.
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KabulDer scheidende Sprecher der Internationalen Schutztruppe Isaf, Bundeswehr-General Josef Blotz, sagte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Kabul: „Auch nach 2014 wird es ein - wenn auch sehr viel kleineres - militärisches Beratungs- und Ausbildungselement vor allem der Nato hier in Afghanistan geben müssen.“

Zwar sei die genaue Dauer unklar, sicher sei aber: „Wir reden nicht nur von Monaten.“ Als Beispiel nannte der Sprecher der Nato-geführten Isaf den Aufbau der neuen afghanischen Luftstreitkräfte, der erst bis 2016 abgeschlossen werden könne.

Zur aktuellen Situation sagte der General, die Taliban seien geschwächt. „Die Sicherheitslage hat sich verbessert. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Das heißt aber nicht, dass die Fortschritte irreversibel (unumkehrbar) sind.“ Der geplante Abzug von 33.000 US-Soldaten bis Sommer nächsten Jahres werde „das, was wir erreicht haben, nicht gefährden“.

Blotz warnte aber, dass ein zu schnelles Ausdünnen der ausländischen Truppen insgesamt Erfolge infrage stellen könnte. Große Truppensteller wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben angekündigt, ihre Kontingente ebenfalls verkleinern zu wollen.

Afghanistan dürfte nicht wieder zum Rückzugsraum internationaler Terroristen werden, sagte Blotz. „Das auf Dauer zu verhindern, erfordert Bereitschaft und Engagement der Internationalen Gemeinschaft. Deswegen können wir nicht wie nach dem Abzug der Russen 1989 wieder den Fehler machen, das Interesse an Afghanistan und an der Region zu verlieren. Wir werden im Land und in der Region präsent bleiben müssen.“ Dies sei beim Nato-Gipfel von Lissabon im vergangenen November zwischen der NATO und Afghanistan verbindlich festgelegt worden.

Besonders sei dabei entwicklungspolitisches und diplomatisches Engagement gefragt, sagte Blotz. Notwendig seien aber auch „militärische Organisationselemente“.

Zu der im kommenden Monat beginnenden Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte in sieben Regionen sagte der General: „Die afghanischen Sicherheitskräfte sind zahlenmäßig und qualitativ in der Lage, diesen Prozess jetzt mit uns gemeinsam zu beginnen.“ Der Übergabeprozess werde sich für jede Gegend über bis zu 18 Monate hinziehen. Zwar seien dort auch danach noch gewaltsame Zwischenfälle zu erwarten, „aber eben auf einem Niveau, das gehandelt werden kann von den Afghanen“.

Im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr wird von Juli an in der Stadt Masar-i-Scharif die Verantwortung für die Sicherheit an die Afghanen übergeben. Die Lage dort gilt als relativ ruhig. Für ganz Afghanistan soll der Übergabeprozess bis Ende 2014 abgeschlossen werden. Dann sollen auch die meisten ausländischen Truppen abziehen.

Nach seinem 14-monatigen Afghanistan-Einsatz zog der Brigadegeneral eine positive Bilanz. „Das, was wir hier tun, ist ausgesprochen nötig und richtig.“ Blotz kehrt Ende des Monats nach Deutschland zurück. Ihm folgt der deutsche Brigadegeneral Carsten Jacobson auf dem Sprecher-Posten der Isaf nach.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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