Afghanistan
Nato-Partner zögern mit Truppenaufstockung

Die Ankündigung der USA, die Truppen in Afghanistan massiv zu verstärken, wird von den internationalen Verbündeten begrüßt. Auch die Bundesregierung lobt die Entscheidung, zögert aber noch, Zusagen für die Entsendung eigener Verstärkungen zu geben. Doch nicht nur Berlin schiebt den Punkt auf die lange Bank - kaum ein Verbündeter sprang den Amerikanern spontan zur Seite.
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ink/ebo/ali/ang/mbr/gbr BERLIN. Die Bundesregierung und die meisten Nato-Staaten haben die angekündigte amerikanische Truppenverstärkung in Afghanistan am Mittwoch begrüßt. Wichtige Verbündete wie Deutschland oder Frankreich betonten jedoch gleichzeitig, dass sie selbst erst Ende Januar über mögliche eigene Truppenaufstockungen entscheiden wollen. Der Bundestag werde deshalb nun zunächst einmal ein unverändertes Afghanistan-Mandat beschließen, das eine Obergrenze von 4500 Bundeswehr-Soldaten vorsieht, betonte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Nur einige Nato-Partner wie Großbritannien, Polen und Spanien erklärten sich bereits gestern bereit, wie die Amerikaner ebenfalls mehr Soldaten an den Hindukusch zu schicken. US-Präsident Barack Obama hatte eine Aufstockung um 30 000 US-Soldaten angekündigt.

Begrüßt wurde in Berlin die Ankündigung Obama, bereits im Jahr 2011 wieder mit dem Rückzug aus Afghanistan zu beginnen. Die Perspektive eines absehbaren Endes des Afghanistan-Einsatzes gilt als Voraussetzung dafür, vom Parlament überhaupt die Zustimmung für eine Verlängerung des Einsatzes zu erhalten. Allerdings äußerte sich der Regierungssprecher nicht dazu, ob 2011 auch mit dem Abzug deutscher Truppen begonnen werden soll. Obama hatte offengelassen, wann ein Rückzug aus Afghanistan beendet sein könnte.

Die neue US-Strategie sei auch keine Rückzugs-Strategie, sagte der Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, vor Gesprächen mit seinen EU- und Nato-Kollegen in Brüssel betont. Die USA bereiteten keinen völligen Abzug aus Afghanistan vor, sondern eine "verantwortliche Übergabe" an die Regierung in Kabul. Ob die ersten US-Soldaten zudem wie geplant im Sommer 2011 wieder abzögen, hänge vom tatsächlichen Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte ab.

Am Freitag wollen die Nato-Außenminister in Brüssel über die neue US-Strategie beraten. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte Obamas Rede und sagte zusätzliche Truppen zu. "Im Jahr 2010 werden die nichtamerikanischen Alliierten mindestens 5 000 weitere Soldaten schicken, wahrscheinlich noch mehr." Diese Zusage sei zwar nicht mit den Alliierten abgesprochen, hieß es am Brüsseler Nato-Sitz. Angesichts der Überlegungen einiger Staaten sei die Zahl jedoch realistisch.

Der britische Premierminister Gordon Brown hat angekündigt, London wolle weitere 500 Soldaten entsenden. Polen, das bisher bereits 2 000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz hat, ist nach Angaben von Regierungssprecher Pawel Gras bereit, weitere 600 Mann in den Hindukusch zu entsenden, sowie eine weitere Notreserven von 200 Soldaten in der Heimat bereit zu halten.

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