Afghanistan
Nato zieht bei Truppenaufstockung nach

Mindestens 7000 zusätzliche Soldaten will die Nato im kommenden Jahr nach Afghanistan entsenden. Deutschland und andere Alliierte zögern jedoch noch bis zur Konferenz im Januar mit weiteren Zusagen.
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HB BRÜSSEL. Die Nato und ihre Partner wollen im nächsten Jahr mindestens 37.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Nach der von den USA angekündigten Truppenverstärkung um 30.000 Mann hätten mindestens 25 weitere Länder die Entsendung von insgesamt 7.000 zusätzlichen Soldaten zugesagt, teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Freitag in Brüssel mit. Die Bundesregierung will über die künftige Größe des Bundeswehrkontingents in Afghanistan erst nächstes Jahr entscheiden.

Rasmussen erwartet nach der internationalen Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London offenbar noch mehr Zusagen: "Wir haben Andeutungen gehört, dass weitere Alliierte und Partner wahrscheinlich in den kommenden Wochen und Monaten in der Lage sein werden, weitere Beiträge anzukündigen", sagte der Nato-Generalsekretär. Der Oberbefehlshaber der Nato in Europa, US-Admiral James Stavridis, hält sogar die Zusage von mehreren tausend weiteren Soldaten für möglich, wie er der AP sagte.

Rasmussen und Stavridis äußerten sich nach Beratungen mit den Außenministern aller 43 an der Afghanistan-Schutztruppe ISAF beteiligten Länder. Mit dabei war außerdem Südkorea, das der ISAF bislang nicht angehört, aber die Entsendung von bis zu 500 Soldaten nach Afghanistan erwägt.

Öffentlich bekannt ist außerdem, dass Georgien und Italien jeweils bis zu 1.000 Soldaten nach Afghanistan schicken wollen. Polen will sein Truppenkontingent um 600 Soldaten aufstocken. Großbritannien hat eine Verstärkung um 500 Mann in Aussicht gestellt. Spanien und die Slowakei planen eine Aufstockung um je bis zu 250 Mann. Albanien will 85 weitere Soldaten nach Afghanistan entsenden, Mazedonien 80 und Montenegro 40.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte zum Auftakt des Treffens erklärt, Deutschland sei bereit, "mehr beim zivilen Aufbau zu tun, insbesondere beim Aufbau der Polizei". Er wende sich gegen "eine Debatte, die sich lediglich auf die Frage verkürzt: "Wie viele Soldaten'", fügte der Bundesaußenminister hinzu. "Das ist aus unserer Sicht weder zielführend noch angemessen."

Nach Darstellung der ISAF herrscht ein enormer Mangel an Ausbildern für die afghanischen Sicherheitskräfte. So würden für die Schulung der afghanischen Streitkräfte insgesamt 103 internationale Ausbilder-Teams benötigt, 41 mehr als bislang zur Verfügung stünden, sagte ISAF-Sprecher Eric Tremblay am Donnerstag. Ein Ausbilder-Team besteht nach seinen Angaben aus rund 25 ausländischen Soldaten. Allein für diese Aufgabe würden demnach rund 1.000 Mann mehr benötigt.

Der britische Außenminister David Miliband erklärte, "ein erheblicher Teil" der von seiner Regierung angekündigten 500 Mann Verstärkung solle als Militärausbilder eingesetzt werden. Finnland will nach Angaben seines Außenministers Alexander Stubb die Zahl der in Afghanistan eingesetzten Militärausbilder von 120 auf bis zu 145 erhöhen.

Auch bei der Polizeiausbildung klaffen gewaltige Lücken. Deutschland hat gegenwärtig rund 160 Polizeiausbilder in Afghanistan stationiert, 40 davon gehören der EU-Trainingsmission EUPOL an.

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