Afghanistan
Obama geht auf moderate Taliban zu

Barack Obama erwägt bei der gegenwärtigen Überprüfung der Afghanistanpolitik auch eine Annäherung an moderate Talibankämpfer. Außerdem äußerte sich der US-Präsident ungewöhnlich kritisch über die aktuelle Lage in Afghanistan.

HB NEW YORK/KABUL/TEHERAN. US-Präsident Barack Obama hat sich im Afghanistan-Konflikt offen für Kontakte zu gemäßigten Taliban gezeigt. Im Irak habe sich eine Annäherung an islamische Fundamentalisten als erfolgreich für eine Befriedung des Landes erwiesen, sagte der Präsident in einem am Samstag veröffentlichten Interview der „New York Times.“

Es könnte vergleichbare Möglichkeiten in Afghanistan geben. Auch den Iran will Obama in die Bemühungen um einen Frieden am Hindukusch einbeziehen und Vertreter aus Teheran zu einer Afghanistan-Konferenz bitten. Jetzt zeigte sich der Iran offen für eine solche Einladung seines Erzfeinds.

Dass sich die Lage im Irak deutlich beruhigt habe, sei auch auf eine Annäherung an die Fundamentalisten dort zurückzuführen, sagte Obama in der „New York Times“ weiter. Die Islamisten seien vom Vorgehen der Al-Kaida im Irak befremdet gewesen. Allerdings sei die Lage in Afghanistan viel komplexer als im Irak, räumte der Präsident ein.

Obama hatte schon vor seiner Amtsübernahme angedeutet, für Gespräche mit gemäßigteren Taliban offen zu sein. Obama misst Afghanistan eine hohe Priorität zu und befahl unlängst die Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan um 17 000 Soldaten. Die Rebellion der 2001 gestürzten Taliban konnte nie eingedämmt werden, und zuletzt hat die Gewalt einen neuen Höhepunkt erreicht.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai begrüßte Obamas Pläne für eine Einbeziehung moderater Taliban. „Das ist eine Bestätigung unserer Position“, sagte Karsai. Nicht zuletzt wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage hatte Karsai deutlich an Popularität eingebüßt. Er kündigte unterdessen an, solange im Amt zu bleiben, bis Wahlen stattgefunden haben. Dafür akzeptiere er den von der Wahlkommission vorgeschlagenen August-Termin für die Präsidentenwahl. Der Präsident, dessen Amtszeit am 21. Mai endet, hatte selbst einen Termin im April vorgeschlagen.

Sollten die USA und ihre europäischen Verbündeten die Hilfe des Iran brauchen, sollten sie die Regierung in Teheran darum bitten, sagte ein Regierungssprecher am Samstag. Die Bitte werde dann in dem Wissen geprüft, dass der Iran Afghanistan jede Hilfe leisten wolle. Die Regierung in Washington plant Außenministerin Hillary Clinton zufolge, den Iran zu einer Afghanistan-Konferenz am 31. März einzuladen.

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