Afghanistan
Polizei ist sich bei Mördern „fast sicher“

Einen Tag nach dem Mord an zwei deutschen Journalisten im Norden Afghanistans hat die örtliche Polizei eine heiße Spur. Sie kennt nach eigenem Bekunden sogar schon die Namen der möglichen Täter. Die Inhaftierung der Verdächtigen gestaltet sich jedoch schwierig.

HB KABUL. Der Gouverneur der Provinz Baghlan, Sayed Ekram Masumi, sagte am Sonntag, fünf bis sechs Menschen seien als Verdächtige identifiziert worden. Man sei „fast sicher“, dass sie die beiden Mitarbeiter der Deutschen Welle in der Nacht zu Samstag ermordet hätten. Zu Festnahmen sei es aber noch nicht gekommen, dies werde in Koordination mit dem Innenministerium geschehen. Masumi sagte, vor den Festnahmen könne er die Namen der Verdächtigen und eventuelle Verbindungen zu kriminellen oder radikalen Gruppen nicht bekannt geben.

Die 30-jährige Journalistin Karen Fischer und der 38-jährige Techniker Christian Struwe waren in der Nacht zum Samstag auf dem Weg von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Nachbarprovinz Bamian erschossen worden. Einen Tag nach der Bluttat wurden die Leichen in die Hauptstadt Kabul überführt. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari, sagte, sie würden der deutschen Botschaft übergeben. Baschari schloss die Taliban als Täter aus. Die radikal-islamischen Rebellen seien in der Region um den Tatort nicht aktiv. Die Taliban hatten bereits am Samstag jede Verantwortung für die Tat zurückgewiesen und erklärt, Journalisten gehörten nicht zu ihren Zielen.

Der Mann und die Frau reisten auf eigene Faust, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul mitteilte. Der Polizeichef der Provinz, Mohammad Asim Haschami, sagte, die beiden seien in einem Geländewagen unterwegs gewesen und hätten ihr Nachtlager außerhalb des Dorfs Abtotak im Bezirk Tala Wa Barfak aufgeschlagen; die beiden zelteten neben der Straße. Sie seien am frühen Samstagmorgen von Schüssen aus einem Sturmgewehr getötet worden. Die Schüsse seien von Dorfbewohnern gehört worden, die daraufhin zu der Stelle geeilt seien und die beiden Deutschen tot aufgefunden hätten. Persönliche Dinge oder das Auto der beiden seien nicht gestohlen worden.

Die Bundesregierung verurteile den Mord „auf das Schärfste“, erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. „Dieses schreckliche Verbrechen muss aufgeklärt, die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Steinmeier erklärte weiter: „Der grausame und sinnlose Tod unserer Landsleute bestärkt uns in unserer Verpflichtung, die afghanische Regierung in ihrem Einsatz für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan umso nachdrücklicher zu unterstützen.“ Der Minister sprach den Angehörigen, Freunden und Kollegen der Opfer im Namen der Regierung sein Mitgefühl aus.

Seite 1:

Polizei ist sich bei Mördern „fast sicher“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%