Afghanistan
Prediger bestehen auf Rahmans Tod

In Afghanistan geraten Regierung und Justiz im Fall des zum Christentum konvertierten Abdul Rahman nun auch von anderer Seite unter Druck: Nicht genug, dass der Westen einen Freispruch fordert - nun verlangen einheimische Prediger ultimativ seine Hinrichtung.

HB KABUL. Der Chefprediger der Kabuler Hadschi-Jakob-Moschee, Hamudullah, erregte sich am Donnerstag über den Versuch der Staatsanwaltschaft, Rahman in dem Verfahren für geisteskrank erklären zu lassen, damit dieser einer Strafe entgeht. „Er ist nicht verrückt. Er ist vor die Medien getreten und hat bekannt, ein Christ zu sein“, sagte Hamidullah. „Die Regierung fürchtet sich nur vor der internationalen Staatengemeinschaft. Aber die Bevölkerung wird Rahman töten, wenn er freigelassen wird.“

Abdul Raulf, der Prediger der Kabuler Herati-Moschee, äußerte sich ähnlich. Die angebliche Verrücktheit Rahmans sei nur von der Regierung vorgeschoben, um den Prozess beenden zu können. „Das ist eine Demütigung für den Islam. Sein Kopf sollte abgeschnitten werden.“ Raulf gilt in Afghanistan als gemäßigter Geistlicher. Wegen Kritik am radikalislamischen Regime der Taliban saß er bis zu deren Sturz im Jahr 2001 selbst drei Mal im Gefängnis.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bemühte sich am Donnerstag persönlich um das Leben von Abdul Rahman. Sie telefonierte am Donnerstagvormittag nach Angaben eines Regierungssprechers mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Über den Inhalt des Gesprächs machte der Sprecher keine Angaben. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung versprach Karsai, „dass der Fall im Rahmen der afghanischen Gesetzgebung und unter Beachtung der internationalen Verpflichtungen, die Afghanistan eingegangen ist, einer raschen Lösung zugeführt wird“.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber warf der afghanischen Regierung unterdessen vor, im Fall Abdul Rahman Zusagen und Versprechen zu brechen. Stoiber sagte in Brüssel, es sei nicht zu vereinbaren, dass auf der einen Seite internationale Soldaten in Afghanistan Demokratie und Freiheit sicherten, das Land auf der anderen Seite aber mit der Todesstrafe drohe. „Ein Wechsel des Glaubens ist zutiefst privat. Das geht den Staat nichts an.“ Es bedürfe eines klaren Signals aus Europa: „so geht es nicht“.

Rahman hatte neun Jahre lang in Deutschland gelebt und war während dieser Zeit zum Christentum übergetreten. Als er in sein Geburtsland zurückkehrte, um sich um seine beiden Töchter zu kümmern, wurde er von seinem Vater angezeigt und kam vor Gericht. Wer sich in Afghanistan vom Islam abwendet, muss in Afghanistan mit der Todesstrafe rechnen. Der Ex-Moslem hat es in dem Prozess abgelehnt, wieder zum Islam zurückzukehren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%