Afghanistan
Räselraten um zweite deutsche Geisel hält an

Die Bundesregierung bemüht sich weiterhin intensiv um die Freilassung der in Afghanistan entführten deutschen Geisel. Ob diese aber bereits mit Hilfe von Bundeswehr-Tornados aufgespürt werden konnte, ist unklar.

HB BERLIN. Konkrete Angaben zum Stand der Verhandlungen wollte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin am Dienstagmorgen nicht machen. Auch ARD-Informationen, wonach Bundeswehr-Tornados erfolgreich bei der Lokalisierung der Geisel-Gruppe um den deutschen Bauingenieur geholfen haben, wollten weder das Außen- noch das Verteidigungsministerium bestätigen. Am Mittag will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem UN-Sonderbeauftragten Tom Koenigs nach Gesprächen mit verschiedenen Ministerien zur aktuellen Lage äußern.

Unklar war zunächst weiterhin, wann der Leichnam des in Geiselhaft gestorbenen 44 Jahre alten zweiten Bauingenieurs nach Deutschland übergeführt wird. Eine Untersuchung soll Aufschluss über die genauen Umstände des Todes geben.

Das Verteidigungsministerium äußerte sich zurückhaltend zu einer stärkeren Beteiligung der Bundeswehr an der NATO-geführten Afghanistan-Schutztruppe ISAF. „Wir sollten erstmal versuchen, zu optimieren in den Aufgaben, die wir mit dem bisherigen Personal erfüllen können, dann wird man über Weiteres beraten können“, sagte Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt (CSU) in der ARD. Deutschland stelle derzeit etwa 3 000 Soldaten für den ISAF-Einsatz zur Verfügung, hinzu kämen bis zu 500 für den Tornado-Einsatz.

ISAF-Kommandeur US-General Dan McNeill hatte in einem ARD- Hörfunkinterview gesagt, er wünsche sich ungefähr 500 bis 1000 Soldaten mehr für die ISAF auch aus Deutschland. Zuvor hatte der SPD- Verteidigungsexperte Rainer Arnold eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch gefordert. Arnold sprach sich dafür aus, dass deutsche Soldaten von ihnen ausgebildete Einheiten der afghanischen Armee auch in den Süden des Landes begleiten dürfen.

„Ich bin dafür, das generelle Verbot aufzuheben“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag). Dagegen sagte Verteidigungsstaatssekretär Schmidt, die Frage des Einsatzes im Norden oder Süden des Landes sollte nicht zum zentralen Diskussionspunkt werden. „Ich hielte es für sehr problematisch, wenn man die Sicherheitslage im Norden möglicherweise dadurch auch verschlechtert, dass man dort tätige Soldaten anderswo abzieht.“ Schmidt bekräftigte, die Bundeswehr müsse die Ausbildung afghanischer Einheiten verstärken: „Wir müssen unsere Ausbildungsanstrengungen sowohl bei der Polizei als auch bei dem afghanischen Militär ausbauen, um Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.“

Der Bundestag stimmt im Herbst über drei Mandate ab: die Beteiligung an der ISAF-Truppe, den Einsatz von Tornados sowie die Teilnahme am US-geführten Anti-Terrorkampf (OEF).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%