Afghanistan: Regierung senkt Zahl der Soldaten auf 3300

Afghanistan
Regierung senkt Zahl der Soldaten auf 3300

Bis zu 5000 deutsche Soldaten waren zwischenzeitlich in Afghanistan stationiert – vor dem geplanten Abzug sinkt ihre Zahl nun stetig. Zum Jahresende sollen die Kampftruppen das Land verlassen.
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BerlinTausende deutsche Soldaten werden im Rahmen des internationalen Einsatzes ISAF noch bis zum Jahresende in Afghanistan stationiert sein. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Verlängerung des Bundeswehr-Mandats bis Ende 2014. Künftig wird jedoch weniger Personal eingesetzt: Die Zahl der Soldaten soll von bislang maximal 4400 auf bis zu 3300 verringert werden. Der Bundestag muss der Verlängerung des Mandats noch zustimmen.

Ende des Jahres sollen – mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes – die internationalen Kampftruppen das Land verlassen. Als Ausbilder werden aber weiterhin ausländische Soldaten am Hindukusch bleiben. Auch die Bundeswehr will nach 2014 weiterhin mit 600 bis 800 Soldaten vor Ort sein. Derzeit sind mehr als 3000 deutsche Soldaten im Einsatz in Afghanistan, die meisten im Norden. „Die Reduzierung des deutschen Personals bei der ISAF wird so erfolgen, dass der Schutz der Soldatinnen und Soldaten gewährleistet bleibt“, betonte die Bundesregierung in ihrer Mitteilung zum Kabinettsbeschluss.

Das Kabinett befasste sich in seiner Sitzung auch mit dem Fortschrittsbericht Afghanistan für 2013. Darin zieht die Bundesregierung ein vorsichtig positives Fazit mit Blick auf die Sicherheitslage: Trotz hoher Verluste seien die afghanischen Sicherheitskräfte in der Lage, zumindest in Ballungszentren und entlang bedeutender Verkehrswege eine „ausreichend kontrollierbare Sicherheitslage“ zu gewährleisten, heißt es darin. In den ausreichend gesicherten Gebieten leben demnach 80 Prozent der Afghanen. In anderen Regionen sei die Bedrohung durch „regierungsfeindliche Kämpfer“ nach wie vor hoch.

Die Bundesregierung will dem Bericht zufolge weiter zum zivilen Aufbau beitragen: Bis 2016 sollen demnach 430 Millionen Euro in die Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan investiert werden. Ein zentraler Punkt des internationalen Engagements bleibe die Verbesserung der Menschenrechtslage, „gerade auch von Frauen und Mädchen“.

In dem Bericht bekennt sich die Bundesregierung auch zu ihrer „Fürsorgepflicht“ für afghanische Ortskräfte, deren Arbeitsverhältnisse mit der Bundeswehr nach dem Abzug enden. „Individuell gefährdete“ Ortskräfte erhalten demnach die Möglichkeit, mit ihrer „Kernfamilie“ nach Deutschland überzusiedeln. Entschieden über eine mögliche Ausreise wird aber je nach Einzelfall, „denn die Gefährdungssituation gestaltet sich regional sehr unterschiedlich“, wie es in dem Bericht heißt. Den Angaben zufolge erhielten bis Januar diesen Jahres 203 ehemalige Ortskräfte eine Aufnahmezusage.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Afghanistan: Regierung senkt Zahl der Soldaten auf 3300"

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  • "Zum Jahresende sollen die Kampftruppen das Land verlassen"

    Müsste es nicht heißen:

    Besatzungstruppen?

    Vielleicht sind die gleichgeschalteten Westmedien Teil des Problems und nicht die Lösung?

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