Afghanistan
Schwerer Anschlag vor Nato-Zentrale in Kabul

Mitten im streng abgesicherten Diplomatenviertel in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es am Morgen einen schweren Selbstmordanschlag gegeben. Vor dem Nato-Hauptquartier explodierte eine Bombe. Sieben Menschen starben; hundert weitere Menschen wurden verletzt.

HB KABUL. Zu dem Anschlag fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan bekannten sich die radikal-islamischen Taliban. Der Täter habe sich in einem Auto im schwer bewachten Diplomatenviertel in die Luft gesprengt, wie das afghanische Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai verurteilte die Tat. „Die Feinde Afghanistans versuchen während des Wahlkampfs, in der Bevölkerung Angst zu schüren“, erklärte Karsai. „Aber die Menschen wissen ganz genau, wie wichtig es ist, ihre Stimme abzugeben.“

Ziel war nach Angaben der Taliban eigentlich die nahe gelegene US-Botschaft gewesen. Der Angreifer habe aber nicht bis dorthin vordringen können, sagte ein Sprecher der Rebellen der Nachrichtenagentur Reuters über Satellitentelefon. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte ein anderer Sprecher, Sabiullah Mudschahid, der Attentäter mit dem Namen Ahmad habe sich in einem mit 500 Kilogramm beladenen Toyoto-Pkw in die Luft gesprengt.

Unter den Opfern seien neben Zivilisten auch Soldaten der von der Nato geführten internationalen Afghanistan-Schutztruppe, sagte der kanadische Isaf-Sprecher Eric Tremblay. Zu konkreten Zahlen äußerte er sich nicht. Am schwersten betroffen von der Wucht der Explosion war das Verkehrsministerium. Dort wurden Dutzende Mitarbeiter durch herumfliegende Glassplitter verletzt.

Die Taliban behaupteten, bei dem Anschlag seien mindestens 25 Ausländer getötet worden, darunter Nato-Soldaten sowie Angestellte und Diplomaten der amerikanischen Botschaft. Angaben der Aufständischen gelten jedoch als äußerst unzuverlässig und haben sich in der Vergangenheit oft als falsch herausgestellt.

Der Attentäter gelangte mit seinem Wagen unbehelligt durch zwei kleinere Kontrollpunkte in dem Diplomatenviertel Wasir Achbar Chan, ehe er offenbar den falschen Weg einschlug und an einem strenger bewachten Sicherheitsposten angehalten wurde. Er sei in das Verteidigungssystem eingedrungen und dann von der afghanischen Polizei gestoppt worden, sagte Tremblay. Dann habe sich der Attentäter entschieden, die Autobombe zu zünden.

Vor dem Nato-Hauptquartier, das nur einen halben Straßenblock von der US-Botschaft entfernt liegt, lagen die Reste eines in Stücke gerissenen Autos und die Wracks mehrerer weiterer zerstörter Wagen. Eine gegenüberliegende Schutzmauer wurde ebenfalls schwer beschädigt. Rauch lag über dem Tatort.

Es war der erste Selbstmordanschlag in Kabul seit dem Attentat auf die deutsche Botschaft im Januar, bei dem vier Zivilisten und ein US-Militärangehöriger ums Leben gekommen waren. Im Februar griffen Taliban-Kämpfer mehrere Regierungsgebäude an und töteten dabei 19 Menschen. Die afghanische Hauptstadt liegt zudem immer wieder unter Raketenbeschuss.

Die Taliban wollen die Wahl verhindern und haben zum Boykott der Wahl am Donnerstag aufgerufen. Zudem haben sie ihre Angriffe im Süden und Osten verstärkt auch auf den Norden und Westen Afghanistans ausgedehnt. Zur Absicherung des Urnengangs sind die internationalen Truppen verstärkt worden. Das Bundeswehrkontingent wurde im Frühjahr um 600 auf 4 200 Soldaten aufgestockt.

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