Afghanistan-Strategie
Karsai lehnt derzeit Verhandlungen mit Taliban ab

Pakistan soll eine größere Rolle im Kampf gegen den Terror spielen. Afghanistans Präsident Karsai fordert ein entschlossenes Vorgehen des Nachbarlandes - und lehnt Verhandlungen mit den Taliban ab.
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IstanbulBis Klarheit über die richtigen Ansprechpartner bei den Taliban herrsche, werde sein Land nur mit Pakistan verhandeln, sagte der afghanische Präsident Hamid Karsai Karsai am Dienstag in Istanbul. Vorerst lehnt er Friedensgespräche mit den Taliban ab. Die Regierung in Kabul verdächtigt Pakistan, die Taliban zu unterstützen und drängt das Nachbarland zu konkreten Schritten im Kampf gegen den militanten Islamismus, der beide Länder bedroht. 

Pakistan müsse den Worten Taten folgen lassen, sagte der stellvertretende afghanische Außenminister Dschaued. Die Kooperation der Führung in Islamabad sei lebenswichtig für Afghanistan. Pakistan müsse auch gegen das Hakkani-Netzwerk vorgehen, das gute Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst ISI unterhalten soll.

Zuvor waren beide Seiten erstmals seit der Ermordung des wichtigen Friedensunterhändlers Burhanuddin Rabbani zu Gesprächen zusammengekommen: Auf Vermittlung der Türkei trafen sich der afghanische Präsident Karsai und sein pakistanischer Kollege Asif Ali Zardari in Istanbul, wo am Mittwoch eine Konferenz zur Stabilisierung der gesamten Region um Afghanistan stattfindet. Pakistan bezeichnete das Treffen als sehr gut.

Afghanistan hatte die Gespräche mit Pakistan im September nach der Ermordung Rabbanis abgebrochen. Die afghanische Führung machte radikal-islamische Taliban aus dem pakistanischen Quetta für die Tat verantwortlich. Die Regierung in Islamabad bestreitet jegliche Unterstützung der Taliban. 

Zu den Beratungen am Mittwoch werden auch die Außenminister Indiens und des Irans erwartet. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle reist ebenfalls an. Er will in Istanbul unter anderem die für den 5. Dezember geplante internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn vorbereiten. Die Istanbuler Konferenz setze an einer wichtigen Vorbedingung für den Frieden in Afghanistan an, der Stabilisierung des regionalen Umfelds, erklärte Westerwelle. US-Außenministerin Hillary Clinton hat ihren Besuch wegen des Todes ihrer Mutter abgesagt. 

An dem Treffen Karsais mit Zardari nahm auch der türkische Präsident Abdullah Gül teil. Parallel dazu trafen sich die Militärschefs Pakistans und Afghanistans, General Ashfaq Pervez Kayani und Sher Mohammad Karimi mit dem Kommandeur der türkischen Streitkräfte. In Pakistan dominiert die Armee die Außen- und Sicherheitspolitik. 

Bei der Konferenz in Istanbul sollen die Nachbarstaaten Afghanistans dazu bewegt werden, sich nicht in die Angelegenheiten des Landes einzumischen. Bisher verfolgen Nachbarn wie Pakistan und Iran ihre eigenen Interessen am Hindukusch. Vor allem Pakistan, das sich in der Vergangenheit immer wieder in die Geschicke der Afghanen eingemischt hatte, spielt eine Schlüsselrolle bei der Befriedung der Region. 

Während sich die Konferenz in Istanbul vor allem um die regionale Einbindung Afghanistans dreht, geht es bei der Bonner Konferenz im Dezember um die Zukunft des Landes nach 2014. Bis Ende 2014 will die Nato die alle Kampftruppen vom Hindukusch abziehen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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