Afghanistan
Streit um bestellten Nato-Luftschlag eskaliert

Die Bundeswehr steht unter Erklärungsdruck, warum sie in Nordafghanistan zwei von den Taliban entführte Tanklaster bombardieren ließ statt Bodentruppen zu schicken. Politiker stellten die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Und die Nato kommt in einem Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass die Bundeswehr falsch entschieden habe. Das sorgt für Empörung in Berlin.

HB BERLIN. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Nato-Kreise in ihrer Online-Ausgabe berichtet, wird in der Nato der Befehl zur Bombardierung von zwei Tanklastern in Afghanistan als Fehlentscheidung eingestuft. Der deutsche Oberst Georg Klein habe seine Kompetenzen überschritten und die Lage falsch eingeschätzt. Dies ergebe sich aus einem vorläufigen Bericht der Internationalen Schutztruppe Isaf zu dem Angriff bei Kundus, schreibt die Zeitung.

Die Nasto dementierte die Existenz eines vorläufigen Berichts zu dem umstrittenen Luftangriff. Nato-Sprecher James Appathurai sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag in Brüssel: „Ich habe heute mit Isaf gesprochen, und mir ist versichert worden, dass es keinen Bericht bei isaf oder der Isaf gibt, der irgendwelche Schlussfolgerungen oder Einschätzungen zu den bei dem Vorfall in Kundus ergriffenen Prozeduren trifft.“

Die "Süddeutsche" zitierte dagegen einen führenden Nato-Offizier mit den Worten, es sei "sonnenklar", dass Klein den vorgeschriebenen Befehlsweg nicht eingehalten habe. Zu einer Entscheidung von solcher Tragweite sei der deutsche Oberst ohne Rücksprache mit dem Isaf-Hauptquartier nicht befugt gewesen. Es habe keine unmittelbare Bedrohung für Isaf-Truppen und daher auch keine Notwendigkeit für eine schnelle Entscheidung gegeben. Die beiden Tanklaster hätten auf einer Sandbank im Fluss Kundus festgesteckt. Nach Einschätzung der Bundeswehr hätten die beiden Tanklaster als rollende Bomben eingesetzt werden können.

Der Darstellung des nicht näher bezeichneten Nato-Offiziers zufolge ist die Anforderung von Luftunterstützung durch zwei US-Kampfjets, die schließlich die beiden Bomben auf die Tanker abwarfen, nicht zulässig gewesen. Der sogenannte "Close Air Support" dürfe nur angefordert werden, wenn Soldaten am Boden in Gefechte verwickelt seien, zitiert die Zeitung den Offizier.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums sagte, die Aussagen des Nato-Offiziers stützten sich auf einen ersten Bericht der Isaf, der als "eine Art Reisebericht" mit unbestätigten Spekulationen zu werten sei. Vor dem Abschluss der Untersuchungen werde das Ministerium nicht zu derartigen Spekulationen Stellung nehmen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte, er wolle keine Fehler bei den Soldaten suchen, sondern die politische Debatte führen. Es stelle sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Aus Protokollen des Angriffs ergebe sich, dass es Hinweise auf namentlich bekannte Terroristen gegeben habe, die sich an den Fahrzeugen aufgehalten haben sollen. Weil nicht ausreichend Bodentruppen verfügbar gewesen seien, sei der Luftangriff gewählt worden.

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