Afghanistan
Taliban wollen erste Geiseln Mittwoch freilassen

Wende im Geiseldrama: Nach über einem Monat ist in der Geiselkrise um 19 in Afghanistan entführte Südkoreaner am Dienstag ein Durchbruch erreicht worden. Die radikal-islamischen Taliban teilten mit, sie würden bereits am Mittwoch erste Geiseln freilassen. Hintergrund ist offenbar ein Abkommen, das Seoul mit den Islamisten vereinbart hat.

HB KABUL. Zuvor hatte das Präsidialamt in Seoul eine Einigung mit den aufständischen Kämpfern bekannt gegeben. Es könne jedoch noch einige Zeit dauern, bis die Südkoreaner übergeben würden, hieß es in Seoul. Ein Taliban-Sprecher sagte, Südkorea habe zugesagt, eine Reihe von Bedingungen zu erfüllen. So werde das Land bis Ende des Jahres seine in Afghanistan stationierten Soldaten abziehen. Zudem dürfen Bürger des Landes künftig nicht mehr missionarisch in Afghanistan tätig sein. Die zuvor von der afghanischen Regierung abgelehnte Freilassung von Extremisten aus afghanischen Gefängnissen erwähnte der Sprecher im Zusammenhang mit der Einigung nicht.

Südkorea wollte sein kleines Truppenkontingent, bestehend aus medizinischem Personal und Ingenieuren, bereits vor der Geiselkrise bis Ende des Jahres abziehen. Reisen in das Land sind seit der Entführung der Landsleute zudem verboten. Dennoch wurde die Einigung aus den Reihen der afghanischen Regierung kritisiert. In einem Interview des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bezeichnete der Handels- und Industrieminister Mohammed Amin Farhang das Nachgeben der südkoreanischen Regierung gegenüber den Taliban als den „Beginn einer Art Kapitulation“. „Das ist wie eine Aufforderung an die Taliban, diesen Weg weiter zu gehen.“ Neue Geiselnahmen seien vermutlich die Folge, auch die Befreiung des entführten deutschen Ingenieurs Rudolf B. werde erschwert.

Die Taliban hatten im Juli 23 Südkoreaner in der Provinz Ghasni entführt, die von einer Kirche in einem Vorort von Seoul als Helfer nach Afghanistan entsandt worden waren. Zwei Geiseln wurden später erschossen, zwei kranke Frauen freigelassen. Die Geiselnehmer drohten mit der Ermordung der übrigen Südkoreaner, falls ihre Forderungen nicht erfüllt würden. Der Sprecher der Familien, Cha Sung Min, zeigte sich überrascht von den jüngsten Entwicklungen. „Wir wussten, dass der Verhandlungsprozess positiv verlief, aber wir hätten nie gedacht, dass es so schnell passieren würde“, sagte Cha. Er entschuldigte sich außerdem im Namen der Opfer für die Probleme, die Südkorea durch die Geiselnahme entstanden seien. Der Pfarrer der Kirche sagte der Nachrichtenagentur Reuters, bei den Familien der Entführten herrsche unglaubliche Erleichterung und Freude. Einen Tag vor den Koreanern waren zwei deutsche Ingenieure entführt worden, von denen einer erschossen wurde.

Weiterhin offen ist das Schicksal des entführten Rudolf B.. Die Kidnapper des 62-Jährigen fordern den Abzug der mehr als 3000 Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan.

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