Afghanistan
Tote bei Protesten gegen Koran-Schändung

Die Proteste gegen die angebliche Entweihung des Korans durch die USA im Gefangenenlager auf Guantanamo eskalieren. Aufgebrachte Demonstranten steckten in Afghanistan UN-Einrichtungen in Brand und bedrohten Verbündete der Amerikaner. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben.

HB KABUL. Eine Sprecherin der Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) sagte, Randalierer hätten versucht, in das UNAMA-Gelände und das Gästehaus des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR im ostafghanischen Dschalalabad einzudringen. Auf dem Gelände des UN-Kinderhilfswerks UNICEF seien zwei Fahrzeuge in Brand gesteckt worden.

Ein Polizeioffizier sagte, Sicherheitskräfte hätten vor einer Menschenmenge in die Luft geschossen, um die mehr als 1000 Demonstranten auseinander zu treiben. Ärzte gaben dagegen an, viele der mehr als 50 Verletzten hätten Schusswunden. Die US-Streitkräfte teilten mit, sie seien nicht am Vorgehen gegen die Demonstranten beteiligt gewesen.

Weiter berichteten Augenzeugen, auch das pakistanische Konsulat sei von Demonstranten in Brand gesetzt worden. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf ist ein enger Verbündeter der US-Regierung im Anti-Terror-Kampf. Zudem sei das Büro des Provinzgouverneurs angegriffen worden.

Bereits am Dienstag war es in Dschalalabad und in Pakistan zu Demonstration gegen die USA gekommen. Auslöser der Proteste war ein Artikel des US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“. Es berichtete in seiner neuesten Ausgabe, dass Ermittler den Koran im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba die Toilette heruntergespült hätten, um Häftlinge zum Reden zu bringen. Die Schilderungen seien im vergangenen Jahr in FBI-internen E-Mails aufgetaucht.

Das pakistanische Außenministerium soll sich nach Medienberichten bei der US-Regierung beschwert haben. In Afghanistan demonstrierten tausende Studenten. Sie verlangten, dass die Verantwortlichen bestraft würden.

Das Pentagon bestätigte unterdessen, dass das US-Bundeskriminalamt FBI Untersuchungen zur angeblichen Schändung aufgenommen habe. US-Außenamtssprecher Tom Casey versuchte zu beschwichtigen. Er erklärte, dass die Zerstörung jeder Art von heiligen Büchern wie der Bibel oder des Koran nicht mit der Politik der Vereinigten Staaten in Einklang stehe.

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