Afghanistan-Truppen
Gates macht weiter Druck auf Deutschland

Für Deutschland dürfte es ein ungemütlicher Gipfel werden. Bei dem Nato-Treffen in Litauen werden die USA, Großbritannien und Kanada weiter Druck auf die Bundesregierung ausüben. Das Ziel: Deutsche Kampftruppen in Südafghanistan. Mit freundlichen Worten kann Verteidigungsminister Jung kaum rechnen. Das machte Washington jetzt noch einmal deutlich.

HB WASHINGTON/VILNIUS. US-Verteidigungsminister Robert Gates hat kurz vor Beginn des Nato-Treffens in Litauen angesichts der Lage in Afghanistan vor einer Spaltung des Verteidigungsbündnisses gewarnt. Er fürchte eine zweigeteilte Allianz, in der es Partner gebe, die bereit seien für die Sicherheit anderer zu sterben und solcher, die dies nicht seien, sagte der Politiker laut „Washington Post“ vor einem Ausschuss des US-Senats.

Wenn dieser Zustand anhalte oder gar schlimmer werde, würde dies einen Schatten auf die Zukunft der Allianz werfen. Die Zeitung charakterisierte die Äußerungen von Gates als ungewöhnlich offen.

Das zweitägige Treffen der 26 Nato-Verteidigungsminister in Litauen an diesem Donnerstag und Freitag wird von einem Streit um mehr militärische Anstrengungen in Afghanistan beherrscht. Die USA und Großbritannien dringen auf ein stärkeres Engagement der Partnerländer - auch von Deutschland. Gates will am Freitag seine Forderung nach mehr Kampftruppen im gefährlichen Süden Afghanistans bekräftigen.

Eine schriftliche Bitte von Gates an mehrere Verbündete, darunter auch an Deutschland, war von der Bundesregierung in Berlin bereits abgelehnt worden. Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte kurz vor dem Treffen jedoch an, die Bundeswehr werde im Norden mit 200 Mann die bisher von Norwegen gestellte schnelle Eingreiftruppe ablösen.

Die Bundeswehr kann nach Ansicht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, keine weiteren Auslandseinsätze übernehmen. Mit der Entsendung eines Kampfverbandes nach Afghanistan stoße die Bundeswehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, sagte er der Hannoverschen „Neuen Presse“. Forderungen aus den Reihen der Nato, den Bundeswehr-Einsatz auf den Süden Afghanistans auszudehnen, lehnte er ab: „Weder im Bundestag noch bei der deutschen Bevölkerung ist eine Mehrheit gewillt, ein größeres Engagement zu übernehmen.“

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