Afghanistan
US-Angriff tötete 140 Zivilisten

Bei dem US-Bombenangriff Anfang des Monats in der westafghanischen Provinz Farah, über dessen Opferzahl es höchst widersprüchliche Angaben gab, sind nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung 140 Zivilisten getötet und 25 weitere verletzt. Ein US-Militärsprecher nannte die Zahl noch in der vergangenen Woche „völlig überzogen“.

HB KABUL. Das Ergebnis der Untersuchung teilte das Verteidigungsministerium in Kabul am Samstag mit. Seit Beginn des internationalen Militäreinsatzes hat keine einzelne Operation mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert.

Die amerikanische Armee hatte eingeräumt, „eine Anzahl Zivilisten“ sei bei dem Bombardement getötet worden, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, die Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. Ein US- Militärsprecher hatte die Zahl von rund 140 getöteten Zivilisten darüber hinaus noch vor rund einer Woche als „völlig überzogen“ bezeichnet.

Das Verteidigungsministerium machte keine näheren Angaben zu den Opfern. Der Abgeordnete Obaidullah Hilali aus Farah hatte gesagt, 95 der Toten seien Kinder gewesen. Der Vorfall vom 3. Mai hatte vor einem Dreiergipfel Afghanistans, Pakistans und der USA international Kritik hervorgerufen. US-Präsident Barack Obama hatte nach dem Treffen einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung zugesagt.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat die internationalen Truppen bereits mehrfach zu mehr Vorsicht aufgerufen und scharfe Kritik an ihrem Vorgehen geäußert. In Washington hatte Karsai die US-Regierung aufgefordert, Luftangriffe in bevölkerten Gegenden einzustellen. Die zivilen Opfer sorgen vor der Präsidentschaftswahl in Afghanistan in drei Monaten für Unmut im Volk und haben die Beziehungen zwischen Karsai und den Truppenstellern belastet.

Die Taliban hatten bei einem Angriff in dem Ort Gerani im Distrikt Bala Bulok zunächst drei Zivilisten und drei Polizisten getötet und sich dann nach offiziellen Angaben in Wohnhäusern verschanzt. Die US-Truppen bombardierten die Gegend, nachdem Sicherheitskräfte Luftunterstützung angefordert hatten. Karsai ordnete eine Untersuchung an.

Das afghanische Verteidigungsministerium teilte mit, Ermittler hätten unter der Leitung von Armeegeneral Schahsada die Gegend besucht, Gräber besichtigt und mit Angehörigen der Opfer gesprochen. Das Team habe keine Hinweise auf den Einsatz chemischer Waffen wie Phosphor durch die Taliban oder die US-Armee gefunden. Ärzte in der Gegend hatten gesagt, manche der Opfer hätten „ungewöhnliche“ Verbrennungen gehabt. Die Mediziner hatten damit den Verdacht auf einen Einsatz chemischer Waffen genährt.

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