Afghanistan
US-Militär hält Deutschen gefangen

Seit gut einem Vierteljahr halten US-Militärs einen Deutschen afghanischer Herkunft auf einem Stützpunkt nahe Kabul gefangen. Die Bundesregierung bemühe sich intensiv um seine Freilassung. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) soll bereits mit seiner US-Kollegin Condoleezza Rice über den Inhaftierten angesprochen haben. Mit dem Fall werden Erinnerungen wach.

HB BERLIN. „Ihm wird vorgeworfen, dass er sich unerlaubt auf einem amerikanischen Stützpunkt aufgehalten haben soll“, teilte Außenamtssprecher Martin Jäger am Samstag auf Anfrage in Berlin mit. Laut „Spiegel“ halten deutsche Sicherheitsbehörden ihn für unverdächtig.

Das Nachrichtenmagazin berichtete, der 41-jährige Wuppertaler sei bei einem Verwandtenbesuch in Kabul unter Terrorismusverdacht festgenommen worden, als er in einem Supermarkt der US-Militärs einkaufen wollte. Die Amerikaner hätten unter anderem Banknoten verschiedener Währungen und Telefonkarten aus mehreren Ländern als Terrorismus-Indizien gewertet. Der Bundesnachrichtendienstes habe ihn im Gefängnis befragt und der Verfassungsschutz seine Lebensumstände überprüft. „Das war alles total sauber“, zitiert das Magazin einen hochrangigen Sicherheitsexperten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Anfang März auch seine US-Kollegin Condoleezza Rice auf den Fall angesprochen. Laut „Spiegel“ verlangen die US-Behörden von Deutschland aber umfassende Sicherheitsgarantien für den Fall seiner Freilassung. Diese kämen einer Komplettüberwachung gleich und seien nicht zu erfüllen, sagte ein deutscher Sicherheitsexperte dem Magazin.

Der Fall erinnert an den des Bremer Türken Murat Kurnaz, der von US-Militärs viereinhalb Jahre festgehalten wurde, zunächst in Afghanistan, später in Guantánamo. Sein Schicksal war Gegenstand eines Untersuchungsausschusses des Bundestags. Dieser hatte vorübergehend auch Außenminister Steinmeier in Bedrängnis gebracht, der zur Zeit des Kurnaz-Falls Kanzleramtsminister war.

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