Afghanistan
US-Militär warnt vor Sieg der Taliban

Noch vor der Verkündung erster offizieller Teilergebnisse der Präsidentenwahl in Afghanistan hat sich das US-Militär besorgt über die Sicherheitslage geäußert und eine Verstärkung der Truppen gefordert. Die Situation sei „ernst und verschlechtert sich“, sagte Generalstabschef Michael Mullen. Die Nervosität im Lager Obamas steigt.

WASHINGTON. Nach Ansicht von Beobachtern scheut die Regierung von Präsident Barack Obama mit Blick auf die politische Stimmung vor einer weiteren Aufstockung der Afghanistan-Mission zurück. Der republikanische Senator John McCain, der bei den Präsidentschaftswahlen gegen Obama unterlag, sagte in einem Interview, Mitarbeiter von Obama forderten eine eher geringere Aufstockung des Afghanistan-Kontingents. Diesem Druck sei vor allem der US-Kommandeur in Afghanistan, Stanley McChrystal, ausgesetzt.

McChrystal sollte bereits im August einen Bericht über die weitere Strategie am Hindukusch vorlegen, hatte die Veröffentlichung jedoch auf den September verschoben. Erwartet wurde, dass der General eine signifikante Erhöhung der Soldaten am Hindukusch verlangen würde. Zwar forderte jetzt auch Generalstabschef Mullen mehr Soldaten, doch auch er wollte keine Zahlen über die notwendige Aufstockung nennen. Obama hatte nach seinem Amtsantritt die Erhöhung der Truppen um 21 000 auf 68 000 Mann autorisiert.

Die Nervosität im Lager des Präsidenten hat mit der abnehmenden Unterstützung des Waffengangs am Hindukusch zu tun. Einer Washington Post/ABC-Umfrage zufolge glauben inzwischen nur noch 47 Prozent der Amerikaner, dass der Krieg notwendig sei, 51 Prozent lehnen ihn ab. Lediglich 42 Prozent sind der Überzeugung, dass die USA den Krieg gewinnen würden, während 36 Prozent der Meinung sind, dass er verloren werde. Auch Mullen zeigte sich irritiert über die nachlassende öffentliche Zustimmung zu dem Engagement in Afghanistan. „Das ist eben der Krieg, in dem wir uns befinden“, sagte der Militär.

Obama hatte erst vor einer Woche in einer Rede vor Veteranen ähnlich argumentiert. „Dies ist kein Krieg, bei dem wir eine Wahl hatten“, sagte der Präsident in Phoenix: „Dieser Krieg ist notwendig.“

Aus Sorge, das Weiße Haus könnte in seiner Verpflichtung für Afghanistan nachlassen, hatten am Wochenende mehrere hochrangige US-Militärs ihren Standpunkt klar gemacht. In Gesprächen mit dem amerikanischen Sondergesandten für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, hatten die Regionalkommandeure in Afghanistan erklärt, dass sie angesichts der Stärke der Taliban deutlich mehr Truppen benötigten. Nicht nur sei die Lage im Süden kritisch, auch im Osten gerieten amerikanische und Nato-Stellungen zunehmend unter Druck geraten. Von Pakistan aus würde das mit El Kaida verbundene Haqqani-Netzwerk immer häufiger Angriffe starten.

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