Afghanistan: USA rudern bei Taliban-Kontaktaufnahme zurück

Afghanistan
USA rudern bei Taliban-Kontaktaufnahme zurück

Am Dienstag haben die Taliban erklärt, sie wollten wieder mit den USA reden. Äußerungen aus US-Regierungskreisen nährten das Gerücht, es sei bereits ein Treffen angesetzt - und verursachten damit Probleme.

WashingtonDie US-Regierung hat Spekulationen über ein angeblich noch diese Woche angesetztes Treffen mit den afghanischen Taliban zurückgewiesen. "Informationen über ein geplantes Treffen sind ungenau", sagte Außenamtssprecherin Jennifer Psaki am Mittwoch.

Ihr Ministerium habe offiziell auch "nie bestätigt", dass eine solche Zusammenkunft mit den radikalislamischen Extremisten in Katars Hauptstadt Doha bevorstehe, wo die Taliban am Dienstag die Eröffnung eines Verbindungsbüros und die baldige Wiederaufnahme der Gespräche mit den USA bekannt gegeben hatten.

Da US-Regierungskreise dieses Vorhaben bestätigten, fühlte sich der afghanische Präsident Hamid Karsai übergangen und reagierte verärgert: Er kündigte einen Boykott aller Gespräche an, die nicht unter afghanischer Führung stünden, und setzte die Verhandlungen mit Washington über ein Abkommen zur Militärkooperation nach 2014 aus.

Psaki betonte, die USA würden sich mit der afghanischen Regierung und dem Hohen Friedensrat des Landes über das weitere Vorgehen abstimmen. In diesem Zusammenhang wies sie auch auf zwei Telefonate von US-Außenminister John Kerry und Karsai am Dienstagabend und Mittwoch hin. Sie betonte, der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, James Dobbins, sei bisher nicht nach Doha gereist.

Aus Kabul hieß es, Karsai störe sich vor allem daran, dass die Taliban ihr Büro in Doha "Islamisches Emirat Afghanistan" nannten. Dies war der offizielle Name Afghanistans während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001. Mit der Namensgebung suggerierte die Rebellenbewegung, dass es die Exil-Vertretung eines Staates sei.

Psaki betonte am Mittwoch, die US-Regierung erkenne den Namen "Islamisches Emirat Afghanistan" nicht an und US-Außenminister John Kerry habe dies Karsai in zwei Telefonate am Dienstagabend und Mittwoch auch deutlich gemacht.

US-Präsident Barack Obama reagierte gelassen auf Karsais Äußerungen. Trotz "Spannungen" wolle Washington die Verhandlungen fortsetzen, sagte er bei seinem Berlin-Besuch. "Meine Hoffnung ist, dass der Prozess trotz aller Herausforderungen weitergeht." Er hatte zuvor die geplanten Gespräche einen "wichtigen ersten Schritt" genannt, jedoch vor einem langen und schwierigen Prozess gewarnt. Als Langfristziel nannte das Außenministerium einen Bruch zwischen den Taliban und dem Terrornetzwerk Al-Kaida.

Überschattet wurde die Debatte von einem Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram rund 45 Kilometer nördlich von Kabul, bei dem nach Angaben aus Washington vier US-Soldaten starben. Zu dem Anschlag "mit zwei großen Raketen" bekannten sich die Taliban. Er ereignete sich noch am Dienstag, dem Tag, an dem afghanische Kräfte von den internationalen Truppen landesweit die Sicherheitsverantwortung übernahmen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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