Afghanistan: Wahlen im Schatten des Terrors

Afghanistan
Wahlen im Schatten des Terrors

Afghanistan wählt – und die Lage ist angespannt wie noch nie. Auf der Tagesordnung steht Mord, weil die Taliban eine Öffnung zum Westen verhindern wollen. Unser Reporter erzählt, wie der Terror die Wahl beeinflusst.
  • 1

KabulWer ein Indiz dafür sucht, wie sehr die kurz bevorstehende Präsidentschaftswahl das Leben der Menschen in der afghanischen Hauptstadt Kabul beeinflusst, der muss lediglich durch die Straßen Kabuls wandern – oder es versuchen. Denn das ist momentan so gut wie unmöglich, denn überall stehen von der „ANA“ (Afghan National Army) errichtete Straßensperren. Aus gutem Grund: Je näher die Präsidentschaftswahl rückt, desto mehr Anschläge werden in Kabul verübt. Jeden Tag werden hier Menschen erschossen. Doch die Wahlkämpfer lassen sich nicht aufhalten.

Häuserwände oder sogar Autos: Kabul ist zugepflastert mit Wahlplakaten der verschiedenen Kandidaten. Ob man mit dem Taxifahrer, dem Handwerker oder dem Händler spricht, die Wahl an diesem Samstag ist das Thema für die Menschen. Denn der Urnengang ist für die Afghanen wegweisend und zugleich historisch. Historisch deshalb, weil es das erste Mal in der afghanischen Geschichte sein wird, dass die Macht demokratisch übergeben wird. Früher wurden Regierungschefs in Afghanistan oft gestürzt oder getötet. Und freiwillig hat bisher kein Präsident oder König seine Macht freiwillig abgegeben. Doch Kasai tritt ohne Murren nach zwei Legislaturperioden ab, wie von der Verfassung vorgesehen, und überlässt das Amt einem gewählten Nachfolger.

Rund zwölf Millionen Afghanen sind dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 regiert Hamid Karsai in Kabul. Der 56-Jährige war zunächst Übergangspräsident und wurde dann 2004 und 2009 bei Wahlen im Amt bestätigt. Ein drittes Mal darf der 56-Jährige nach der Verfassung nicht zur Wahl antreten. Acht Kandidaten wollen Präsident werden, der in Afghanistan wie in den USA zugleich Regierungs- und Staatschef ist.

Neben einem neuen Präsidenten werden am 5. April auch die 34 Provinzräte neu gewählt. 2406 Kandidaten und 308 Kandidatinnen bewerben sich um die insgesamt 458 Sitze, von denen 20 Prozent für Frauen reserviert sind. Die Kosten der Wahl in Höhe von rund 130 Millionen US-Dollar (rund 95 Millionen Euro) trägt die Internationale Gemeinschaft.

Welche Bedeutung und welchen Einfluss die Wahl in Afghanistan, zeigt sich noch an andere Stelle: an der aktuellen Sicherheitslage in Kabul. Die Taliban haben bereits vor Wochen Anschläge angekündigt und Kandidaten, Wähler sowie Wahlhelfer mit dem Tode bedroht. Sie halten die Abstimmung für eine Farce, bei der die USA nach ihrer Überzeugung im Hintergrund die Strippen ziehen.

Und genauso sieht der Alltag aus: Gerade erst wurde in dem eigentlich unter höchster Sicherheitsstufe abgesicherten Botschaftsviertel in Wazir-Akbar Khan ein schwedischer Journalist erschossen während er Bilder von einem libanesischen Restaurant machte, auf das einige Wochen zuvor ein schwerer Anschlag verübt wurde. Wenig später gab es einen Anschlag auf das größte, teuerste und eigentlich sicherste Hotel Kabils, das „Serena-Hotel“.

Seite 1:

Wahlen im Schatten des Terrors

Seite 2:

„Ich werde diese Bilder niemals vergessen“

Kommentare zu " Afghanistan: Wahlen im Schatten des Terrors"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • terror? Nein das ist unsere Demokratie, die wir dort so erfolgreich aufgebaut haben! Eine verteidigung ist dort nicht mehr notwendig. Deshalb verlassen wir jetzt das Land. Den Aufbau mit Rauschgift und Handel haben wir erfolgreich durchgeführt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%