Afrika
Confed-Cup: Sicherheit auf Probe

Joseph zupft seine gelborangene Weste zurecht und zieht seine Kappe tief in die Stirn. Dann kann die Schicht beginnen. Seine Mission: Für Sicherheit sorgen in einem Land, das für seine Unsicherheit bekannt ist. Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft muss Südafrika beim Confed-Cup beweisen, dass es kein Fehler war, das Turnier nach dort zu vergeben.

JOHANNESBURG. Zum ersten Mal soll die WM 2010 auf afrikanischem Boden stattfinden. Mit seiner Kollegin Ndgodi patrouilliert er durch die engen Wege, entlang der spärlichen Hütten. Joseph ist ein "Community Peace Worker" im südafrikanischen Atteridgeville, eine Art Hilfspolizist. Mit dem Confederations-Cup, der am Sonntag beginnt, rückt das Land am Kap stärker in den Fokus der Öffentlichkeit.

Probleme hat Südafrika viele - spärliche Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit, Armut. Das größte jedoch ist die fehlende Sicherheit. Sie ist das beherrschende Thema in dem Land, in dem die Bürger entweder hinter hohen Mauern mit Elektrozaun oder im Township, den schwarzen Wohnsiedlungen aus Zeiten der Apartheid, wohnen.

Im Mai des vergangenen Jahres starben bei Kämpfen in den Townships zwischen schwarzen Südafrikanern und schwarzen Immigranten mindestens 56 Menschen. Spätestens da dämmerte auch dem letzten unter den Organisatoren, dass etwas passieren muss. "Wenn beim Confed-Cup nichts passiert, wird niemand ein Wort darüber verlieren, doch wenn etwas passiert, dann wird es kein Ende der Diskussion geben", sagt Danny Jordaan, Chef des Organisationskomitees. Doch er gibt sich optimistisch: "Wir sind überzeugt von unserem Sicherheitsplan."

Seit Jahren bereitet die Polizei sich auf die Fußballturniere vor: Mehr als 40 000 neue Leute hat sie ausgebildet. Sie sollen mit ihrer Präsenz die Kriminellen vertreiben. 1,35 Mrd. Rand (rund 119 Mio. Euro) hat die staatliche Polizei für die WM investiert. 66 Millionen Rand davon in die Ausstattung: Sechs neue Helikopter, 100 neue Fahrzeuge, sogar Wasserkanonen zählen nun zum Equipment. Fast schon martialisch wappnet sich die Polizei für die WM - für Massenschlägereien bis hin zu Terroranschlägen.

Dabei ist das größere Problem die Alltagskriminalität. Und die geht in Südafrika bis zum Mord. 50 Menschen werden in Südafrika jeden Tag getötet. Das sind jährlich mehr als 38 Morde pro 100 000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland ist es etwa einer auf 100 000 Einwohner. Johannesburg, mit zwei Stadien wichtigster Austragungsort der südafrikanischen WM, ist eine der unsichersten Städte der Welt.

Doch hierfür hat die Polizei keine Lösung. 1 400 Polizeistationen gibt es in Südafrika; die Hälfte der schweren Verbrechen findet in den Gebieten von nur 170 Revieren statt. No-Go-Areas soll es dennoch nicht geben. Das würde einige Regionen nur diskriminieren, heißt es. Immerhin wurden in der Innenstadt 200 Kameras installiert, weitere sollen folgen, auch in den anderen Städten und rund um die Stadien. Die Polizei beteuert, alles im Griff zu haben. "Wir wollen, dass die Leute Spaß haben und Südafrika lieben", sagt Vish Naidoo, ein hoher Polizeibeamter aus Johannesburg. "Aber jeder, der Ärger macht, bekommt auch die Konsequenzen zu spüren."

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