Afrika
Europäische Union drängt auf Marktöffnung

Beim Gipfeltreffen in Tripolis wollen 80 Staats- und Regierungschefs eine stärkere Zusammenarbeit beschließen. Bei der geplanten Halbierung der Armut steht Afrika im Fokus. Durch eine Öffnung des Marktes fürchten Kritiker jedoch eine Überschwemmung mit europäischer Überschussproduktion.
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BRÜSSEL. Eine weitere Öffnung der Märkte und eine stärkere Einbeziehung der Privatwirtschaft sind aus Sicht der EU-Kommission zentrale Instrumente zur Armutsbekämpfung in Afrika. Auf dem heute beginnenden zweitägigen EU-Afrika-Gipfel im libyschen Tripolis wollen 80 Staats- und Regierungschefs einen Aktionsplan für die Kooperation von 2011 bis 2013 beschließen.

„Eine gestärkte und engere Zusammenarbeit wird der Entwicklung Afrikas zugute kommen und entscheidend zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele beitragen“, sagte EU-Kommissionschef José Manuel Barroso im Vorfeld. Die Weltgemeinschaft hatte sich 2000 verpflichtet, weltweit die Armut bis 2015 zu halbieren. Afrika steht dabei im Fokus.

Bei dem Gipfel werden Handelsfragen von zentraler Bedeutung sein. So verhandelt die EU zwar seit Jahren mit vier afrikanischen und pazifischen Wirtschaftsblöcken über Freihandelsabkommen. Erst kürzlich räumten die Vertreter der EU und des AKP-Blocks, der die ehemaligen europäischen Kolonien in Afrika, der Karibik und im Pazifik umfasst, aber ein, dass die Verhandlungen festgefahren sind.

Warenverkehr erholt sich

So verlangt die EU grundsätzlich, dass 80 Prozent des afrikanischen Marktes für Produkte aus Europa geöffnet werden. Kritiker in Afrika befürchten jedoch eine Überschwemmung mit europäischer Überschussproduktion. Nach sechs Jahren stetigen Wachstums hat sich der Warenverkehr der Europäischen Union mit Afrika 2009 verringert. Gegenüber 2008 fielen die Ausfuhren laut der europäischen Statistikbehörde um zehn Prozent und die Einfuhren um ein Drittel. So verwandelte sich das EU-Außenhandelsdefizit im Warenverkehr mit Afrika, das 2008 einen Spitzenwert von 40 Mrd. Euro erreicht hatte, 2009 in einen geringen Überschuss von 800 Mio. Euro. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres habe der Warenhandel mit Afrika aber wieder angezogen, teilte Eurostat mit.

Dennoch tauscht die Europäische Union nur neun Prozent ihrer Waren mit dem Schwarzen Kontinent aus, wobei Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien hier die mit Abstand größten Akteure sind. Die EU exportiert vor allem Maschinen und Fahrzeuge; 40 Prozent der Ausfuhren in den ersten neun Monaten entfielen auf diese Waren. Weitere wichtige Exportgüter waren Kraftstoffe, Arzneimittel und Getreide. Die Einfuhren bestanden zu knapp zwei Dritteln aus Öl, Gas und Diamanten.

Der erste EU-Afrika-Gipfel im Jahr 2000 in Kairo war ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Ein ursprünglich für 2003 geplantes Nachfolgetreffen war dann am Streit um die Haltung zu Simbabwes Diktator Robert Mugabe und einer britischen Blockade gescheitert. 2007 schließlich riefen 80 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Afrika die Strategische Partnerschaft zwischen beiden Regionen ins Leben. In deren Rahmen wollen sie gemeinsame Interessen verfolgen, die über die herkömmliche Entwicklungspolitik hinausgehen, etwa beim Klimaschutz.

Rückhalt für Armutsbekämpfung

Eine im Vorfeld des Gipfels erschienene Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass die Prioritäten der Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern breite Zustimmung bei den EU-Bürgern finden. Demnach unterstützen 38 Prozent der Europäer die Armutsbekämpfung als wichtigstes Ziel.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

Kommentare zu " Afrika: Europäische Union drängt auf Marktöffnung"

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  • Eine Marktöffnung ist sicher positiv zu sehen, jedoch wäre es viel wichtiger wenn die EU endlich die Agrar-Subventionen kürzen bzw. sogar ganz streichen würde.
    Dann könnten die bauern vor Ort ihre natürlichen Standortvorteile (viel Sonne, passendes Klima)endlich nutzen und müssten nicht unsere künstlich verbilligten Produkte aus den Gewächshäusern und düngeintensiven betrieben konsumieren!

    Und der europäische Haushalt würde ebenso massiv entlastet werden.

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