Afrika
Kongolesen gehen begeistert zur Wahl

Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs und des Verfalls haben Kongolesen bei den ersten freien Wahlen seit 40 Jahren ihre Stimme abgegeben. Bis zum Nachmittag verliefen die Wahlen weitgehend ruhig. Lediglich in der Provinz Kasai wurden sieben Wahllokale in Brand gesteckt.

HB KINSHASA. „Das ist ein historischer Moment für uns, ich bin sehr bewegt“, sagte die 46 Jahre alte Rose Muderwa mit Tränen in den Augen. „Es ist ein Wendepunkt, jetzt können wir wieder stolz sein, Kongolesen zu sein.“ Die 280 deutschen Soldaten, die im Rahmen einer EU-Eingreiftruppe (Eufor) in Kinshasa stationiert sind, blieben in ihrem Lager. „Es ist alles ruhig, wir hoffen, dass es so bleibt“, sagte Eufor-Sprecher Peter Fuss.

Die ersten Wähler warteten schon im Morgengrauen vor den Wahllokalen. Mehr als 25 Millionen Kongolesen waren aufgerufen, ihren Präsidenten und das Parlament neu zu bestimmen. „Dies ist der wichtigste Tag in der Geschichte unseres Landes“, sagte der 35 Jahre alte Präsident Joseph Kabila nach der Stimmabgabe in einer ehemaligen Hochschule, in der fast alle Fenster zerbrochen sind. Jetzt sei es wichtig, dass der Wiederaufbau des Landes beginne.

Neben Kabila traten 32 andere Kandidaten für die Präsidentschaft an. Als aussichtsreichster Gegenkandidat gilt Vizepräsident Jean- Pierre Bemba, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Um die 500 Sitze des Parlaments bewerben sich landesweit etwa 9000 Kandidaten. In Kinshasa bestand der Wahlzettel für die Parlamentswahl aus sechs Postern mit den Fotos und Namen der Kandidaten. Analphabeten konnten per Fingerabdruck wählen. Etwa 1 200 internationale Wahlbeobachter waren im ganzen Land im Einsatz. „Es läuft wesentlich besser als viele erwartet haben“, sagte ein belgischer Wahlbeobachter.

Die Wahlkommission will das Ergebnis in drei Wochen verkünden. Beobachter halten es für möglich, dass es nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zu Gewalt kommen könnte. In der letzten Woche des Wahlkampfs waren in Kinshasa mindestens fünf Menschen getötet worden. Die Oppositionspartei UDPS hatte zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Auf den Straßen der Hauptstadt waren am Sonntagmorgen sowohl UN- Soldaten als auch kongolesische Sicherheitskräfte zu sehen. Die UN- Mission im Kongo ist mit etwa 17 000 Mann die größte weltweit.

Es sind die aufwendigsten Wahlen, die die Vereinten Nationen bislang unterstützt haben. Die internationale Gemeinschaft hat bisher etwa 360 Millionen Euro dafür aufgebracht. Die Organisatoren sprechen von einem „logistischen Albtraum“. In der ehemals belgischen Kolonie, die mit ihren 2,3 Millionen Quadratkilometern (Deutschland: 357 000 Quadratkilometer) etwa so groß ist wie Westeuropa, gibt es so gut wie keine geteerten Straßen. Die Wahlmaterialien wurden mit Hilfe der UN- Mission zum großen Teil auf dem Luftweg in die abgelegenen Regionen gebracht.

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