Afrika
Simbabwes Oppositionschef erlitt Schädelbruch

Der Oppositionsführer des afrikanischen Staates Simbabwe, Morgan Tsvangirai, ist von den Schergen von Staatschef Robert Mugabe nach seiner Festnahme offenbar brutal misshandelt worden: Der 55-Jährige liegt nach tagelanger Haft mit einem Schädelbruch auf der Intensivstation.

HB HARARE. Tsvangirai wurde am Mittwoch aus der Haft entlassen, war wegen seines Gesundheitszustands aber bereits am Dienstag in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Er machte Staatschef Robert Mugabe für seinen Zustand verantwortlich. Tsvangirai und mehrere Dutzend Oppositioneller waren nach einer Anti-Regierungskundgebung am Sonntag von der Polizei verhaftet und im Gefängnis nach eigener Darstellung misshandelt worden.

„Die Ärzte sagen, er hat viel Blut verloren“, sagte Tsvangirais Parteisprecher am Mittwoch. Er habe bereits rund einen Liter Blut über Infusionen erhalten. Wegen des Schädelbruchs sei eine Hirntomographie gemacht worden. Am Dienstag - erst zwei Tage nach seiner Verhaftung - hatte ein Richter die medizinische Behandlung Tsvangirais angeordnet. Dreißig weitere Oppositionelle liegen derzeit noch im Krankenhaus. Alle waren am Mittwoch aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Am Dienstag war er vor dem Richter mit einem geschwollenen Gesicht und einer tiefen Kopfwunde erschienen.

Der Vorfall zog weltweit Proteste nach sich. In Simbabwe löste er offenbar neue Unruhen aus. In einem Township in der Hauptstadt Harare seien am Dienstag Straßenbarrikaden errichtet und Fahrzeuge mit Steinen beworfen worden, berichtete die staatliche Zeitung „Herald“ am Mittwoch.

Tsvangirai, der die stärkste Oppositionspartei MDC anführt, gilt als einer der schärfsten größten Kritiker Mugabes. Der 83-Jährige regiert das Land seit seiner Unabhängigkeit 1980, hat es in den letzten Jahren jedoch an den Rand des Ruins gewirtschaftet. Vier Fünftel der Bevölkerung sind arbeitslos, die Teuerung ist mit 1700 Prozent die höchste weltweit. Opposition und freie Medien leiden seit Jahren unter Repressionen. Die Proteste hatten sich zuletzt erneut verschärft, nachdem Mugabe angekündigt hatte, seine Amtszeit erneut ausweiten zu wollen. Tsvangirai hatte daraufhin zu Widerstand gegen den Präsidenten aufgerufen.

Die Vereinigten Staaten hatten die Behandlung der Oppositionellen als rücksichtslos und repressiv verurteilt. Selbst Südafrika, das sich sonst mit Kritik an seinem Nachbarland zurückhält, forderte Mugabe zum Respekt der Gesetze auf. In den staatlichen Medien Simbabwes wurde der Vorfall totgeschwiegen. Die Regierung wirft der Opposition vor, die Bevölkerung zu Unruhe angestiftet zu haben.

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