Afrika
Südafrika verliert seinen Optimismus

Zwei Jahre vor der Fussball-WM herrscht Pessimismus in Südafrika. Das Land ächzt unter Energiemangel, politischer Unsicherheit und einer Währungskrise. Südafrika steht vor größten Bewährungskrise seit dem Ende der Apartheid.

KAPSTADT. Selten ist in einem Land weit verbreitete Zuversicht derart schnell einem tiefen Pessimismus gewichen wie in Südafrika. Symptomatisch dafür steht ein vom Büro für Wirtschaftsforschung erstelltes ökonomisches Stimmungsbarometer, das soeben auf den tiefsten Stand in sieben Jahren gefallen ist. Dabei handelt es sich um den stärksten Einbruch zwischen zwei Quartalen seit fast einem Vierteljahrhundert. Waren vor vier Monaten noch mehr als zwei Drittel der Befragten mit dem wirtschaftlichen Umfeld am Kap zufrieden, sind es inzwischen nicht einmal mehr die Hälfte.

Fast über Nacht, so scheint es, dämmert der Geschäftswelt in Südafrika, auf welch dünnem Fundament die junge Demokratie am Kap ruht - eine Erkenntnis, die der Rohstoffboom und das dadurch bedingte Wirtschaftswachstum von zuletzt fünf Prozent pro Jahr lange Zeit verdeckt hatten. Viele strukturelle Probleme treten nun offen zu Tage.

Drei Ereignisse sind für den Stimmungswandel verantwortlich: Ganz obenan steht die tiefe Führungskrise im regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Seit mehr als zwei Jahren ist die frühere Widerstandsbewegung in einen erbitterten Machtkampf verstrickt, der all ihre Aufmerksamkeit bündelt, aber kaum noch Zeit lässt, das Land zu regieren. Auf der einen Seite steht der inzwischen fast völlig isolierte Staatspräsident Thabo Mbeki, auf der anderen sein populistischer Herausforderer Jacob Zuma. Seit der Wahl Zumas zum ANC-Chef vor drei Monaten ist nicht mehr auszuschließen, dass ein der Korruption angeklagter Politiker, der zudem mit fünf Frauen verheiratet ist, Afrikas einzigen Industriestaat nach den Wahlen im kommenden Jahr regieren wird.

Vor allem viele Weiße befürchten, dass Südafrika dann den Weg des übrigen Afrikas geht - und packen ihre Koffer. Erschwerend kommt hinzu, dass Zuma seinen Aufstieg vor allem der Unterstützung von Gewerkschaften und Kommunisten verdankt. Obwohl der Traditionalist in wirtschaftlichen Fragen eher pragmatische Töne anschlägt, glaubt Sasfin-Analyst David Shapiro, dass seine Verbündeten für ihre Unterstützung Zugeständnisse verlangen - und Südafrika deshalb unter Zuma einen Linksruck vollziehen könnte.

Die mit der Wahl des 65-Jährigen verbundene Unsicherheit wird zudem durch eine akute Stromkrise verschärft, die Südafrika seit Ende Januar plagt und den schleichenden Niedergang des einstigen Hoffnungsträgers in Afrika scheinbar bestätigt. Neben der hohen Gewalt demoralisiert die Bevölkerung nichts mehr als die Stromengpässe und ihre wirtschaftlichen Folgen. Dabei waren der staatliche Energieriese Eskom und die ANC-Regierung seit 1998 wiederholt davor gewarnt worden, dass Südafrika im Jahr 2007 über zu wenig Strom verfügen würde, wenn nicht neue Kapazitäten erschlossen würden. Nichts dergleichen geschah - im Gegenteil. In Rekordzeit haben Präsident Mbeki und sein Kabinett Eskom in Grund und Boden reguliert.

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