Afrika
Tsvangirai soll Wende für Simbabwe bringen

Der Handschlag war kurz und wenig herzlich. Nur für einen Moment huschte ein Lächeln über das Gesicht von Simbabwes bisherigem Oppositionsführer Morgan Tsvangirai als dieser am Mittwochvormittag von Simbabwes Diktator Robert Mugabe zum neuen Premierminister des Landes vereidigt wurde. Dabei könnte die Zeremonie einen Wendepunkt für das von Mugabe geschundene Land bedeuten.

KAPSTADT. Erstmals seit seiner Unabhängigkeit vor fast 30 Jahren ist die Opposition im früheren Rhodesien fortan direkt an der Macht beteiligt. Gleichwohl hat der Entschluss Tsvangirais, allen Vorbehalten zum Trotz nun doch eine gemeinsame Regierung mit seinen Peinigern zu bilden, nicht nur für Jubel gesorgt. Selbst unter seinen Anhängern in der "Bewegung für einen demokratischen Wandel" (MDC) bleibt unklar, wer Simbabwe fortan regiert. Viele bezweifeln, dass Mugabe wirklich zu einer echten Machtteilung bereit ist. Zu oft hat der Tyrann alle Versprechen gebrochen. Umso größer ist die Skepsis, dass er es diesmal ehrlich meint.

Unklar ist zudem wie angesichts des tiefen Misstrauens eine Einheitsregierung funktionieren soll. „Beide Seiten werden ständig damit drohen, das Bündnis zu verlassen“, glaubt Takura Zhangazha, Direktor des Medieninstituts Misa in Harare. Er sieht deshalb auch kaum eine Chance, dass die neue Regierung den Niedergang des Landes in den Griff bekommt: „Die neue Regierung wird nie die internationale Unterstützung erhalten, die dafür notwendig wäre.“

Symptomatisch dafür ist das letzte Treffen der beiden Kontrahenten im Januar, unmittelbar nach der Rückkehr Tsvangirais aus einem mehrwöchigen Exil. Insider berichten, beide hätten sich schon nach wenigen Minuten heillos zerstritten – und die Zusammenkunft vorzeitig abgebrochen. „Die Frage ist wohl nicht ob, sondern wann die ganze Sache scheitert“, befürchtet deshalb auch Sydney Masamvu von der International Crisis Group.

Die nun gebildete Einheitsregierung beschliesst für Simbabwe zwölf chaotische Monate, die im letzten März mit dem Sieg der Opposition bei der Parlamentswahl begann. Als Reaktion auf seine Schlappe war Mugabe mit aller Härte gegen die MDC vorgegangen – und hatte Morgan Tsvangirai damit zum Rückzug aus dem Rennen um das Präsidentenamt veranlasst. Ohne Gegenkandidaten hatte sich Mugabe In einer Wahlfarce sondergleichen ins Präsidentenamt geprügelt – und war darin zum Entsetzen des Westens von seinen afrikanischen Kollegen bestätigt worden. Die Bildung einer im September ausgehandelten Übergangsregierung war bis zuletzt daran gescheitert, dass Mugabe alle wichtigen Posten für sich beanspruchte.

Ominös ist auch, dass die Hardliner in Mugabe-Regime bis zuletzt alles versucht haben, die vom Staatenbund des südlichen Afrika (SADC) erzwungene Einheitsregierung zu torpedieren – und Tsvangirai mit immer neuen Provokationen zum Rückzug zu bewegen. So sind bis heute 30 Oppositionsanhänger inhaftiert, obwohl sie laut Übereinkunft längst auf freiem Fuß sein sollten. Beobachter sehen darin nur ein weiteres Beispiel für die Willkür und fehlende Kooperation Mugabes.

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