Afrika
Wenn es Gaddafi krachen lässt

In Libyen haben am Dienstag die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Revolution unter Führung des damaligen Oberst Muammar al Gaddafi begonnen. Mit den aufwändigen Feiern will Libyen vor allem zeigen, dass es nach Jahren der Isolation wieder in der Weltgemeinschaft angekommen ist.

TRIPOLIS. Muammar Gaddafi liebt es, sich mit großem Pomp selber zu zelebrieren. Erst im letzten Jahr veranstaltete der libysche Potentat, der nach dem Tod seines gabunesischen Kollegen Omar Bongo inzwischen der dienstälteste Diktator der Welt ist, ein Treffen traditioneller Herrscher in seiner Heimatstadt Sirte am Mittelmeer. In einer prunkvollen Zeremonie kürte er sich damals zum "König aller afrikanischen Könige". Mit gutem Grund: Sechs Monate zuvor war der 67-Jährige zum neuen Präsidenten der Afrikanischen Union (AU) gewählt worden, die er seit langem nach dem Vorbild der USA in die "Vereinigten Staaten von Afrika" umgestalten will - natürlich mit ihm als alleinigem Führer.

Dies dürfte auch erklären, weshalb Gaddafi den Auftakt der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag seiner Machtübernahme am Montag mit einer von ihm einberufenen Sondersitzung der AU verband. Schließlich garantierte ihm das Treffen die Anwesenheit einiger hochrangiger Besucher, zumal sämtliche europäischen Staatschefs ihre Teilnahme zuvor abgesagt hatten. Nachdem Gaddafis Bemühen, die arabische Welt zu vereinen, spektakulär gescheitert ist, hat er seinen Blick nun ganz auf Afrika gerichtet.

Der eintägige Gipfel, der am Montag erst spät begann und schon wenig später wieder zu Ende ging, sollte sich eigentlich mit den größten Krisenherden in Afrika beschäftigen. Allerdings schloss das Treffen ohne konkrete Vorschläge. Statt dessen hieß es in der "Tripoli Declaration", die AU wolle mittels eines Aktionplanes "dringend Lösungen für die Krisen und Konflikte in Afrika finden".

Bereits beim eigentlichen AU-Jahresgipfel im Juli in Sirte hatte Gaddafi seine eigene Tagesordnung durchgeboxt. Statt damals, wie zuvor vereinbart, über den Aufbau einer effizienteren Landwirtschaft zu beraten, ließ Gaddafi eine Resolution an den internationalen Strafgerichtshof (IStGH) verabschieden, in der die AU wissen ließ, künftig nicht mehr mit dem Gerichtshof zu kooperien. Dies kam umso überraschender, als 30 der 53 afrikanischen Staaten dessen Statuten unterzeichnet hatten. Nach der Entscheidung der AU kann Sudans Staatschef trotz eines vom IStGH gegen ihn erlassenen Haftbefehls nun praktisch ungehindert durch Afrika reisen. Auch in Tripolis war Bashir zugegen.

Gaddafi selbst hat sein Land wiederholt zum Vorbild für den Rest Afrikas erklärt. Dabei verweist er mit Vorliebe auf die zuletzt erbauten Hotels und den neuen Flughafen. Auch hat sich die Lebenserwartung in dem nordafrikanischen Wüstenstaat seit seinem Machtantritt 1969 um 20 Jahre erhöht, während die Kindersterblickeit auf zehn Prozent des damaligen Niveaus gesunken ist.

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