Afrikanischer Staat ist wichtigster Lieferant
Libyen dreht Schweiz den Ölhahn zu

Libyen hat seine Öllieferungen an die Schweiz eingestellt. Mit dieser Maßnahme protestiert der afrikanische Staat gegen die vorübergehende Festnahme eines Sohns von Staatschef Muammar Gaddafi in einem Genfer Luxus-Hotel. Der Lieferstopp ist nur eine von vielen Maßnahmen, die Libyen ergriffen hat.

HB KAIRO. Hintergrund der Entscheidung war die vorübergehende Festnahme eines Sohnes des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi, Hannibal Gaddafi, in Genf Mitte Juli. Der Chef des staatlichen Seefrachtunternehmens, Ali Bilhadsch Ahmed, sagte, der Lieferstopp sei "das mindeste, was wir tun sollten".

Die Lieferungen sollen 40 Prozent des Unternehmensumsatzes ausmachen, es war jedoch zunächst unklar, um wieviel Öl es ging. Hannibal Gaddafi und seine Frau waren in der vergangenen Woche wegen des Vorwurfs der Misshandlung von zwei Bediensteten in einem Luxus-Hotel in Genf festgenommen worden.

Er musste zwei Nächte im Gefängnis verbringen und wurde dann für eine Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Seine hochschwangere Frau verbrachte die Zeit wegen Gesundheitsbeschwerden im Krankenhaus. Nach Angaben seines Anwalts bestreitet Gaddafi die Vorwürfe.

Libyen ist der mit Abstand wichtigste Lieferant von Rohöl der Schweiz. Ein Stopp der Lieferungen ist laut dem Schweizer Branchendachverband Erdöl-Vereinigung (EV) jedoch zu bewältigen. Zu Warteschlangen vor den Tankstellen werde es nicht kommen, hieß es. Die Schweizer Niederlassung der staatlichen libyschen Mineralölgesellschaft Tamoil wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur ap nicht zum Lieferstopp äußern. Sie verarbeitet das libysche Öl in der eigenen Raffinerie in Collombey im Unterwallis und betreibt ein Netz von rund 320 Tankstellen in der Schweiz.

Das Außenministerium in Bern wollte zunächst keine Stellung nehmen. Ministerin Micheline Calmy-Rey kam aus ihren Ferien in die Hauptstadt Bern zurück. Am Spätnachmittag sollte es eine Pressekonferenz geben. Libyen hat bereits eine Reihe von weiteren Maßnahmen gegen die Schweiz ergriffen, um gegen die vorübergehende Festnahme zu protestieren. Die Niederlassungen der Unternehmen ABB und Nestle mussten ihre Büros schließen. Zwei Schweizer Bürger wurden in Libyen festgenommen, Tripolis stellt inzwischen keine Visa für Schweizer mehr aus und schränkte den Luftverkehr mit der Schweiz drastisch ein. Bern erließ eine Reisewarnung.

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