Aggressiver Virus
Schweinegrippe: EU fürchtet Konjunktur-Delle

Die Schweinegrippe hat nun auch in Russland erstmals zum Tod von zwei Menschen geführt. Und das könnte erst der Anfang sein. Die EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou warnte davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Ihre Prognose für Europa fällt düster aus.
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HB BERLIN. Nach Einschätzung der EU-Kommission wird möglicherweise jeder dritte Europäer an der Schweinegrippe erkranken. Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou sagte der Tageszeitung „Die Welt“, es sei zu befürchten, dass sich das Virus im Laufe der kommenden Monate verändere und deutlich aggressiver werde. „Nach allem, was wir wissen, können sich bis zu 30 Prozent der Bevölkerung mit der Schweinegrippe infizieren. In diesem Fall wird man leider auch mit einer erheblichen Zahl von Toten rechnen müssen. Wir müssen wachsam bleiben“, wird die Kommissarin zitiert.

Auch die möglichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen dürfe man nicht vernachlässigen. Die wirtschaftliche Erholung in der EU könne durch die Schweinegrippe geschwächt werden: „Bestimmte Wirtschaftszweige, wie Tourismus oder Freizeitindustrie, könnten Einbußen erleiden“, sagte Vassiliou. Außerdem seien eine niedrigere Produktivität und Störungen der Produktionsabläufe in den Unternehmen durch höhere Krankenstände und weniger Konsum infolge von Unsicherheit denkbar.

Vassiliou forderte schnelles Handeln im Falle von Infektionen: „Es gibt derzeit keine Notwendigkeit, zur Vorsorge Massenschließungen von Schulen vorzunehmen. Wenn allerdings bei einzelnen Schülern Infektionen mit der Schweinegrippe festgestellt werden, sollten die betroffenen Schulen unverzüglich schließen. Auch im Freizeitbereich sollten dann Gruppenveranstaltungen, wie Sport, Musikunterricht oder Tanzkurse, abgesagt werden“, sagte die Kommissarin. Der Kontakt zwischen den Jugendlichen müsse in solchen Fällen reduziert werden.

Innerhalb der EU könne es zu einem Wettlauf um den Impfstoff kommen, sollte sich das Virus ausbreiten und aggressiver werden. „Möglicherweise wird aber nur eine Impfung, anstatt wie bisher geplant zwei Impfungen notwendig sein, das wird in Kürze von den europäischen Gesundheitsbehörden entschieden. Es wäre gut, wenn diejenigen Staaten, die dann über zu viel Impfstoff verfügen, etwas davon abgeben könnten an die Länder, die zu wenig haben.“

Die EU-Kommissarin rief die Bevölkerung zur Impfung auf: „Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Je höher die Zahl der geimpften Menschen ist, desto weniger kann sich die Pandemie ausbreiten."

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