Aggressives Verhalten
Die Macht der Staatsfonds wächst

Die Finanzkrise hat auch eine der mächtigsten Investorengruppen schwer gebeutelt. Experten warnen allerdings davor, Staatsfonds aus Asien und den reichen Ölstaaten abzuschreiben. Das Gegenteil ist der Fall.

LONDON. In einer umfassenden Studie kommt der Finanzdienstleister State Street zu dem Schluss, dass die so genannten Sovereign Wealth Funds an Macht gewinnen, und diese in Zukunft einsetzen werden, um ihre Ziele zu erreichen. Die Finanzkrise wird aus den bislang langfristig orientierten und eher passiven Staatsinvestoren aktivere und kurzfristigere Anleger machen, prophezeit Andrew Rozanov, einer der Autoren der Studie. Staatsfonds selbst gelten als sehr diskret und äußern sich kaum zu ihrer Strategie.

Staatsfonds haben in den vergangenen Jahren massiv an Macht hinzu gewonnen. Durch den Rohstoff- und Exportboom häuften Länder wie China oder die arabischen Ölstaaten enorme Devisenreserven auf, die sie zum Teil in staatliche Investmentfonds pumpten.

Lange Jahre gaben sich diese Fonds damit zufrieden, Staatsanleihen der Industrieländer zu kaufen und damit das Wachstum des Westens zu finanzieren. Das war politisch unbedenklich. Seit die Fonds aber immer offener nach Beteiligungen oder gar Mehrheiten an Unternehmen greifen, sehen viele westliche Politiker die Lage anders. Auf der einen Seite hoffen die Industrieländer auf einen Rückfluss der Petrodollars an ihre Aktienmärkte. Auf der anderen Seite fürchten sie aber politisch motivierte Investments und sehen die Gefahr eines zu starken Einflusses dieser Anlegergruppe.

Das Bild änderte sich allerdings, als Staatsfonds während der Finanzkrise viele Milliarden in Banken in den USA und Europa investierten und damit halfen einen Kollaps des Weltfinanzsystems zu verhindern. Geldhäuser wie Citigroup oder Merrill Lynch erhielten insgesamt fast 25 Mrd. Dollar.

Die State-Street-Experten schätzen, dass die 37 größten Staatsfonds derzeit ein Vermögen von insgesamt 3,2 Bill. Dollar verwalten. Allein der Spitzenreiter, die Abu Dhabi Investment Authority unter Führung von Scheich Khalifa bin Zayed al-Nahyan, kommt auf 625 Mrd.Dollar. Allerdings hat die Finanzkrise auch diesen mächtigen Investoren teilweise heftige Verluste beschert. Dazu trugen unter anderem die rettenden Investments in westliche Banken bei. Als der Staatsfonds Temasek aus Singapur bei der angeschlagenen Bank of America ausstieg, hat ihn das Engagement nach Expertenschätzung ein Minus von rund drei Mrd. Dollar beschert. Temasek räumt ein, dass die Finanzkrise den Fonds insgesamt etwa ein Fünftel seines Vermögens gekostet hat.

Aber nicht nur ihre Investments machen den Staatsfonds zu schaffen. Durch den Verfall des Ölpreises und den Einbruch im Welthandel haben auch die Einnahmen gelitten. Langfristig wird die Macht der Staatsfonds aber weiter wachsen, davon sind die State-Street-Experten überzeugt. Für diese These spricht auch eine Untersuchung der Denkfabrik McKinsey Global Institute. Selbst bei einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel werden die Golf-Staaten den Prognosen zufolge bis 2020 rund 4,7 Bill. Dollar mit ihren Petro-Exporten einnehmen. Vor der Finanzkrise war der Ölpreis auf einen Rekordstand von 150 Dollar gestiegen, derzeit wird an den Weltmärkten etwa 70 Dollar für ein Barrel bezahlt.

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