Aghanistan
Taliban sollen mitregieren

Angesichts der Eskalation der Gewalt in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai den Taliban Posten in der Regierung in Aussicht gestellt, wenn sie ihren Aufstand beenden. Zudem erklärte er sich zu persönlichen Friedensgesprächen mit Extremisten-Führer Mullah Omar bereit. Doch die radikalislamische Gruppe denkt nicht daran, zu verhandeln – sie stellte zuerst einmal Bedingungen.

HB KABUL. Bei einem der blutigsten Anschläge seit dem Sturz der Taliban riss ein Selbstmordattentäter in Kabul kurz zuvor mindestens 30 Menschen mit in den Tod, 30 weitere erlitten Verletzungen. Der Selbstmordattentäter in Kabul zündete am Samstag vor einem Bus der Streitkräfte einen gewaltigen Sprengsatz. Der Bus hatte am frühen Morgen vor einem Kino in der Hauptstadt gehalten. Der Attentäter habe eine Uniform der Streitkräfte getragen und gemeinsam mit Soldaten versucht einzusteigen, erklärte ein Militärsprecher. Mehrere Gebäude wurden durch die Detonation schwer beschädigt. Nach Angaben der Streitkräfte saßen rund 50 Personen in dem Bus. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.

Unter den Todesopfern seien 28 Soldaten und zwei Zivilpersonen, teilte das Präsidialamt mit. Karsai verurteilte den Anschlag als feigen Akt. „Wer auch immer das getan hat, war gegen Menschen, gegen Menschlichkeit, ganz bestimmt gegen den Islam“, sagte der Staatschef. Im Juni hatte ein Selbstmordattentäter bei einem ähnlichen Anschlag wie am Samstag in der afghanischen Hauptstadt 35 Menschen in einem Polizeibus in den Tod gerissen. Die Taliban haben in diesem Jahr bereits mehr als 100 Selbstmordattentate verübt.

Die Taliban lehnten das Gesprächsangebot Karsais ab. Ihr Sprecher Kari Jussef Ahmadi erklärte am Sonntag, man werde nicht mit der Regierung in Kabul verhandeln, bevor die ausländischen Streitkräfte nicht das Land verlassen hätten. Selbst wenn Karsai sein Amt aufgebe, werde es nicht zu Gesprächen mit Mullah Omar kommen. Nach Angaben von Karsais Büros erwägen jedoch mehrere Taliban-Kämpfer ernsthaft, ihre Waffen niederzulegen. „Sie wollen in Frieden leben“, sagte Sprecher Humajun Hamidsada. Auch die Uno und die Nato berichteten von entsprechenden Anzeichen.

Karsai erklärte, er wolle auch mit Milizführer Gulbuddin Hekmatjar sprechen. „Wenn ich ihre Adresse habe, brauchen sie nicht zu mir kommen, ich werde persönlich dorthin gehen und mich bei ihnen melden“, erklärte der Präsident. Er hatte die Taliban in den vergangenen Wochen wiederholt zu Verhandlungen aufgefordert. „Warum zerstören sie das Land“, fragte er am Samstag an die Adresse Omars und Hekmatjars.

Vier bei den Bemühungen um die Freilassung des Deutschen Rudolf Blechschmidt in Afghanisatn verschleppte Mitarbeiter des Roten Kreuzes sind unterdessen wieder frei, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Samstag bestätigte. Sie seien von ihren Entführern gut behandelt worden, sagten die Männer - ein Birmane, ein Mazedonier und zwei Afghanen - nach ihrer Freilassung. Sie hätten auch Blechschmidt gesehen, berichteten die Rot-Kreuz-Mitarbeiter. Er sei noch am Leben. Der Ingenieur wurde zusammen mit seinem Kollegen Rüdiger Diedrich am 18. Juli in Wardak verschleppt. Diedrich erlitt in der Gefangenschaft einen Schwächeanfall und wurde erschossen.

Die IKRK-Mitarbeiter waren am Mittwoch in der Provinz Wardak entführt worden. Ein Taliban-Kommandeur sagte in einem Video, das die Fernsehnachrichtendienst APTN erhalten hat, er habe die Gefangennahme der vier befohlen, weil er sie für Spione gehalten habe. Nachdem klar gewesen sei, dass es sich um Mitarbeiter des Roten Kreuzes handele, seien sie freigelassen worden.

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