Agrar-Finanzmarkt
Industriestaaten wollen Rohstoff-Spekulationen stoppen

Die G20-Agrarminister haben sich auf Aktionsplan gegen Agrar-Spekulationen geeinigt. Doch von einer wirksamen Regulierung des Rohstoffmarktes sind die führenden Industrieländer immer noch weit entfernt.
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ParisDie 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G20) haben sich noch nicht auf Regulierungen von Finanzgeschäften mit Agrargütern verständigt, um damit extreme Preisschwankungen einzudämmen. Die G20-Agrarminister einigten sich bei ihrem Treffen in Paris lediglich auf einen Aktionsplan, der auf bessere Bedingungen an den Agrarmärkten abzielt, sagte Gastgeber Bruno Le Maire für die französische G20-Präsidentschaft. Damit erreichte Frankreich nicht die angepeilten einschneidenden Regulierungen, um so die Spekulation mit Nahrungsmitteln einzudämmen. EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos äußerte sich denn auch eher zurückhaltend. Er sprach von einem „guten Schritt vorwärts“, der aber nach seinem Geschmack und dem der Kommmission hätte größer ausfallen können. 

Der Kampf gegen heftige Preisschwankungen bei Rohstoffen und damit auch Nahrungsmitteln gehört zu den Schwerpunkten der französischen G20-Präsidentschaft in diesem Jahr. Ziel ist vor allem die Schaffung von mehr Transparenz, und so der Spekulation Einhalt zu gebieten. Stark schwankende und steigende Preise bei Nahrungsmitteln wie Reis, Mehl und Zucker trifft die ärmeren Länder besonders hart und birgt das Risiko politischer Unruhen. 

„Die G20-Mitgliedsstaaten haben sich heute Morgen auf einen Aktionsplan gegen starke Preisschwankungen bei Lebensmitteln und an den Agrarmärkten geeinigt“, sagte Le Maire. Aus Kreisen der Teilnehmer hieß es ergänzend, die Minister hätten ihre Finanzkollegen gedrängt, die Regeln und die Aufsicht über die Rohstoffmärkte zu verbessern und zu verschärfen. „Wir erkennen an, dass angemessen regulierte und transparente Bedingungen in agrarbezogenen Finanzbereichen der Schlüssel für gut funktionierende Märkte sind“, heißt es in dem Kommunique des Treffens nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. 

Die Nahrungsmittelpreise an den Weltmärkten waren zu Anfang des Jahres auf Rekordstände gestiegen. Das hatte Befürchtungen genährt, dass sich die Verhältnisse aus den Jahren 2007 und 2008 wiederholen könnten. Damals hatten massive Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel in einigen Entwicklungsländern heftige soziale Unruhen ausgelöst. Angesichts dessen war Frankreich als G20-Präsidentschaftsland dafür eingetreten, Grenzen zu formulieren, in denen spekulative Positionen bei agrarischen Rohstoffen gehalten werden können. So hart fielen aber die Vereinbarungen der Agrarminister letzten Endes nicht aus. Vielmehr wird Kreisen zufolge nur betont, wie wichtig Reformen sind, die solche Schwellenwerte im Derivategeschäft bei Agrarrohstoffen enthalten könnten. 

Der verabredete G20-Aktionsplan beinhaltet das Ziel, die landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen, die Transparenz an den Agrarmärkten mit der Erhebung neuer, zeitnaher Daten zu verbessern und Exportbeschränkungen für Lebensmittelhilfen abzubauen, sagte Frankreichs Agrarminister Le Maire. Gegen zu scharfe Regulierungen hatte sich G20-Kreisen zufolge unter den Agrarministern vor allem Großbritannien gewandt. Konkrete Entscheidungen dazu, so argumentierte die britische Ministerin Caroline Spelman, seien Sache der Finanzminister. 

Frankreich sieht in Spekulationen einen Hauptgrund für die extremen Schwankungen von Lebensmittelpreisen in den vergangenen Monaten. Großbritannien hält dagegen das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage für den entscheidenden Faktor. „Ein unregulierter Markt ist kein Markt mehr, sondern eine Lotterie, in der die zynischsten Teilnehmer die besten Chancen haben anstatt dass Arbeit, Investition und die Schaffung von Werten belohnt würden“, hatte Sarkozy zur Eröffnung des zweitägigen Agrarministertreffens, des ersten seiner Art, erklärt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Agrar-Finanzmarkt: Industriestaaten wollen Rohstoff-Spekulationen stoppen "

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  • rohstoffspekulationen sind eigentlich in ordnung, sollten aber besser unter kontrolle gebracht werden, so dass sich wirklich nur marktteilnehmer, wie es eigentlich mal war, an diesen märkten beteiligen können und so ihre absicherungsgeschäfte tätigen. den reinen spekulanten die physisch kein geld bewegen, sollten diese märkte versperrt bleiben.
    der industrie sollte verboten werden, lebensmittelfähige pflanzen (grundnahrungsmittel) zum treibstofflieferanten degradieren zu können.
    wenn diese 2 punkte geregelt werden, gibt es auch nicht mehr so grossen spekulationsblasen.
    es kann doch nicht sein, dass man mal schnell auf dem papier kurzfristig 1.000 sattelschlepperladungen kaffe bewegen kann und am steigenden oder sinkenden kurs verdienen kann. die zeche bezahlt immer der konsument.

  • Die französische Regierung ist auf dem Holzweg! Die Preishausse bei Agrar-Rohstoffen hat vor allem fundamentale Gründe: Missernten infolge von Unwettern, mehr Fleischkonsum in den Schwellenländern, mehr Energiepflanzenanbau. Zu letzterem hat vor allem auch Frankreichs Politik tatkräftig beigetragen. Wie unredlich dafür die bösen Spekulanten verantwortlich zu machen.

  • Aha.......die Spekulanten sinds mal wieder!

    Vielleicht sollten die inzwischen zweckentfremdeten Areale zum Anbau für "Bio Ethanol" rückgeführt werden!

    Einen interessanten Bericht gab es gestern über die Zusammenarbeit des WWF mit Palmölkonzernen!
    Der Link zur ARD Mediathek

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7495082

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